Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

14 W. FOERSTER,

den Osten beschränkt ist. In dem ganzen übrigen Teil hat carruca

dessen Stelle eingenommen, das zerstreut auch im Süden vorkommt.

Nur der Süden zeigt dann eine ganze Reihe besonderer Namen

ganz fremder Stämme, die wir ja einzeln behandelt und soweit als

möglich zu erklären versucht haben.

Es ist schon von vornherein anzunehmen, dafs dort, wo arairuin

verschwunden ist, der alte römische Pflug durch irgend eine

Neuerung verändert worden ist, und diese dem so vervollkommneten

neuen Pflug zu teil gewordene Neuerung den neuen Namen ge-

liefert hat. Dies haben wir an einer ziemlichen Reihe von Fällen

nachweisen können. Daneben sahen wir, dafs anderswo durch

Umschreibung ein allgemeines Wort, das blofs „Werkzeug-' jeder

Art bedeutet, dem wichtigsten Werkzeug des Bauern xar' i^oytjv

beigelegt worden ist.

Uns beschäftigt, in Hinsicht auf den altfranzösischen Text der

Wallfahrt Karls des Grofsen, nur noch eine letzte Frage: Welches

ist nun der Unterschied zwischen arere und charrue in

Nordfrankreich?^

Schon die Durchmusterung neufranzösischer Wörterbücher lehrt

das Wichtigste. So gibt Littre unter araire (welches Wort bis jetzt

bei ihm übersehen worden ist, weil es Niemand einfallen konnte,

ein prov. Wort in einem neufranz. Wörterbuch zu suchen) an:

charrue simple, dans laqiielle la piiissance moirice est immediatement

appliquee ä l'age (Grindel = Pflugstange und Pflugbaum) ou au

regulaieur,"^ Sans Vinterrnediaire d'un avant-lrain (Rädergestell).

Ferner charrue: Instrument pour labourer la ierre, qui consiste en

un irain monti sur deux roues, et un soc tranchant. Edmond in

seinem Wörterbuch v. St. Pol erklärt karü mit „charrue munie

d'un avant-tram". Unter löü heifst es dagegen charrue sans avantlrain."^

Dies mit den Stellen, die ich aus Mistral oben angeführt

habe, zusammengehalten, genügt durchaus für unsere Zwecke. Es

1 Eben erschienen H. Behlen, der Pflug und das Pflügen bei den Römern

und in Mitteleuropa in vorhistorischer Zeit. Dillenburg 1904 (enthält einige

ungeordnete polemische Artikel, die die Kenntnis der gesamten Fachlilteratur

voraussetzen).

bei Sachs.

2 Dieses Wort fehlt in dieser Bedeutung : Verstellvorrichtuug des Pfluges

8 Er gibt auch eine Abbildung des letztern, und man sieht da, neben den

unentbehrlichen, wohl überall sich findenden Teilen wie Pflugschar, Streichbrett,

Pflugmesser, den zwei Sterzen und dem Grindel im letzteren auch noch

einen plöm^ar und pj'et^ verzeichnet, die hinter einander vor dem Pflugmesser

(kut = coutre) stehen. Der erstere ist eine scharfe eiserne, horizontal

schneidende Klinge, während der letztere der wohlbekannte Regulator ist, der

unten in einen sabot ausgeht (später wird ein kleines Rad dafür erfunden). Von

den sonst aufgezählten Bestandteilen ist or^l (= oreille) das versoir, tyfrf der

talon oder sep, während fer (off'enbar =^ soc) und de (wohl = age) in seinem

eigenen Glossar fehlen. Von meinem Zuhörer Josef Marichal, der aus unserer

rlieinländischen Wallonie stammt, erfahre ich folgendes über den (rcr: er hat

weder ein Vordergestell noch Räder (rü) ; er hat nur ein Streichbrett {oreille),

das man rz nennt. Eine beigelegte Zeichnung desselben stimmt mit den gewöhnlichen

Pflügen ohne Vordergeslell. Dieses ^rc?- besteht aus l. Pflughaupt

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