Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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W. FOERSTER,

für diese dort auch heute fast noch ausschliefsUch gebrauchte Form

geworden. Dafs dieser sich so lange halten kann, liegt wohl an

besonderen Gründen — soviel ich aus der geringen mir zugänglichen

Litteratur ersehen kann, hat man an ihm in Gegenden mit

leichterem und lockerem Erdreich wegen seiner gröfseren Leichtigkeit

und Zugfähigkeit festgehalten, wo ein oder zwei Ochsen völlig genügen,

während die charrue meistens gebraucht wird, wo schweres

Erdreich sich findet und Pferde zum Ziehen benutzt werden. Natür-

lich hat dann der araire auch nach und nach verschiedene Vervollkommnungen

erfahren, die es erklären, warum er heute noch so

zahlreich im Gebrauch ist — es liegt also nicht etwa blofs an

dem starren Konservativismus der jeder Neuerung abholden Bauern.

Ein Eingehen auf die einzelnen Teile hat für unser philologisches

Ziel keinen Zweck — ich verweise auf die zahlreichen Spezialwerke.

Die Grande Encyclopedie gibt ja recht brauchbare Angaben

über beide Pflüge und deren Ausbreitung in Frankreich.^

IV.

Ich bin am Ende meiner Untersuchung. Da mag vielleicht

jemand fragen: Gut, das ist ja alles recht schön und für manchen

wohl auch interessant, was hat es aber mit dem a;vr[^] von Karls

Wallfahrt zu schaffen? Ich meine, dafs man beim Überblick des

eben Vorgetragenen die Konjektur arere, die ich bereits aus andern

Gründen (s. S. 4) als unhaltbar nachgewiesen habe, jetzt ganz

einfach ohne weiteres, ohne jedes Bedenken, sofort hinaus wirft.

Denn i. arere und charrue sind zwei verschiedene Arten von

Pflug, können also nicht von einem und demselben Pflug gebraucht

werden. Dieser ist aber viermal ausdrücklich als charrue bezeichnet.

Ferner ist 2. arere der ältere, einfachere Pflug, charrue der neuere,

vervollkommnete. Es liegt auf der Hand, dafs der Kaiser von

Byzanz nur den vollkommensten Pflug, den man damals überhaupt

kannte, besitzen kann. Dieser Pflug ist uns obendrein beschrieben:

er hat conjugles [das Wort ist sonst im Romanischen nicht auf-

zutreiben — Du Gange hat aus gr.-lat. Glossaren: Cottjuglae C^ivx,-

T7]Q£g und Ju7igulae 7jtHaL C^tvxzLyMi, was bei Georges conjugclae (sie)

== ^tvxrrjQtc Jochriemen, Gloss. Labb. heifst; im Corpus Gloss.

steht es 111, 443, 30, wie bei Du Gange, die zweite Glosse II, 94, 5.

Jungla rjviai, C,£VXTtJQtg, Var. t'uga/ia] — vielleicht ist dafür conßflg/es

zu lesen [Hs. coniügles, der Strich über u verblafst ; •^ denn

^ Eine eingehende Bearbeitung des wichtigen und anziehenden Gegenstandes

— ich denke etwa an die Art, wie ein Fachkollege die Fischerei aus

Anlafs einer glücklich verteidigten Etymologie ((urbare) behandelt hat — liegt

mir fern und kann mit den Mitteln unserer Bibliothek nicht gemacht werden.

Vielleicht reizt das hoch interessante Thema jemand, der die Mittel, Zeit und

Lust dazu hat.

2 Du Gange hat auch ein afr. congles in derselben Bedeutung aus einem

Rechnungsbuch von Namur vom J. 1265 — es mufs ein verlesenes coiiliofilgles

sein, unser Wort; denn conjungula kann im afr. nichts anderes geben.

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