Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

288 O. DITTRICH,

im Adverb mitausgedrückte Orientierungsobjekt ist durch patria

spezialisierend erklärt, ohne darum von re~ „abzuhängen", wie es

mit -rück im Verhältnis zu der Präpos. zu allerdings der Fall ist. . .

Sodann solmiser^, dessen Analyse sich einfach so fassen läfst: das

I. und 2. Glied (sol, t7u) drücken Mittel aus, deren man sich bei der

Ausführung der Verbalhandlung bedient; -iser (dessen i mit dem

von mi zusammengeflossen ist) dient zur transitivierenden Verbali-

sierung des Ganzen: [die Tonleiter etc.] sohnisieren. . . Auch in

rapiecer^ spielt die Mittelbeziehung eine Rolle, aber so, dafs sie

erst in zweiter Linie in Betracht kommt: Die im i. Glied ausgedrückte

Hauptidee ist die des re-, des Zurückbringens in den

früheren Zustand (des Nichtzerrissenseins), die dann durchs verbalisierende

und transitivierende -er auch vollends ihren Ausdruck

findet und nun durch das (substantivische) 2. und (präpositionale)

3. Glied [pihe, a) näher charakterisiert wird: pihe drückt das Mittel

(„Stücke"), ä die Mittelbeziehung aus. Re- ist natürlich wiederum

adverbial. . . Weiterhin ar radier"^ und das analog gebildete deraciner.

Von den in der Anm. 3 gegebenen Etymologien für arracher

scheiden *abradicare und *eradicare wegen lautlicher Schwierigkeiten

aus, und es bleibt für arracher nur *adradicare übrig, während exradicare

als Etymon für afr. esrachier gelten mufs, das der Konkurrenz

des mit ihm in der Bedeutung zusammengeflossenen arracher

gewichen ist. Dem *adradicare und exradicare aber liegen etwas

verschiedene Auffassungen des Namengebers bei ihrer Bildung zugrunde,

welche die Verschiedenheit des Resultates erklärlich zu

machen wohl imstande sind. Versetzt man sich nämlich in die

Lage eines Lateinsprechenden, der etwa das auszudrücken hatte,

was im Deutschen durch die Worte „er will einen Baum ausreifsen"

ausgedrückt ist, so findet man alsbald Folgendes. Es konnte ge-

sagt werden vult exradicare arborem oder vuU *adradicare arhorem.

Dem exradicare liegt aber dann die Anschauung zugrunde, dafs

derjenige, welcher den Baum ausreifsen will, ihn „samt der Wurzel

(radix) aus (ex) dem Boden reifsen (-are)" will, während sich in

*adradicare die Anschauung spiegelt, dafs der Baumausreifser den

Baum „samt der Wurzel (radix) zu (ad) sich heranreifsen (-are)"

will. Damit sind zugleich die chronologischen Schwierigkeiten,

welche sich der Annahme eines allmählichen lautlichen Übergangs

von esrachier in arracher entgegenstellen, beseitigt, und es bleibt

1 L. : chanter, lire un morceau de plain-cbant, en pronon^ant le nora

assign6 ä chaque note par la mdthode des muances ; sol, mi sind solche Notennamen,

die hier als typische Vertreter ihrer Galtung zur Namengebung benutzt

sind. — 2 DIIT. : raccomoder en mettant des pi^ces : raccomoder des vßtements,

du linge. — ^ DHT. : du \zX.. exradicare^ deraciner, devenu *exradcar

esrachier, arachier, aracher, arracher ; d^tacher avec effort ce qui ticnt au

sol par les racines. Gröber ALL I 233 setzt *abradicare als Etymon an,

Körting Nr. 42 *adradicare, Liitre *abradicare und exradicare, Meyer-Lübke

Rom. Gr. II 618 läfst ,,nfr." arracher ebenfalls aus afr. esrachier hervorvorgehen,

während er Berl. Philol. Wochenschr.

eradicare als Etymon aufstellt.

1900 Nr. 18 Sp. 567 dafür

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