Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

324 H. SCHüCHARDT,

wir hier sogar die ursprüngliche Form; wahrscheinlich wenigstens

die ursprüngliche Bedeutung. Das Aufgurgeln des Wassers kann

als UM (lat. biilla, port. horbulha u. s. w. „Wasserblase") gehört werden,

doch auch als gigl (vgl. das gloglo, glouglou der aus dem Flaschenhals

ausströmenden Flüssigkeit); aufsteigenden Wasserblasen aber

ähneln allerlei Blasen in oder an unorganischen Körpern (so

ita\. ga/Ia „Blase im Glas" und verschiedene Bedd. von d. Galle),

und hauptsächlich Auswüchse an pflanzlichen (vgl. port. borbulha

„Knospe", „Schöfsling") wie tierischen (so ital. galla „Hautblase"

und auch, wie span. agallas, „Galle der Pferde"). So wird

denn wohl von port. galha „Gallapfel" nicht zu trennen sein

port. galho, span. gajo, berc. gallo und galla, südfranz. gab, jalo,

agnon. gallicchie (= -o ; doch abr. callecchie, riet, callichju, nach gleich-

bed. cacchie, -chju oder [teram.] callicchie „Schwiele"), siz. gaggiuni,

südhanz. gal/iou, gaioun, tessin. ^a/ „Schöfsling", „Keim", „(abgeschnittener)

Fruchtzweig", „Traubenbüschel", „Träubchen" u. s. w.i

Veltlin. gai „Tannenzapfen" steht dem galla „Gallapfel" näher,

nach welchem ja in Spanien, Südfrankreich, Italien auch der allerdings

vom Tannenzapfen noch weit abstehende Cypressenapfel benannt

wird; auch innerhalb der slawischen Sprachen begegnet uns

für „Tannenzapfen" dasselbe Wort wie für „Gallapfel". Diez stellt

hierzu mit Recht val. gallo, aber, nach Escrig wenigstens, hat dies

nicht sowohl die Bed. „abgeschnittener Fruchtzweig" (die Diez

auch für das span. port. Wort als einzige angibt, wodurch die Erkenntnis

des Ursprungs verdunkelt wird) als die Bed. „Stück

Rasen", aufserdem aber die allgemein kat. Bed. „Obstscheibe".

Es mufs nämlich bemerkt werden — und zwar um so mehr als

dies aufserhalb unserer Anschauungsweise liegt, dafs die Südromanen

die natürliche Scheibe einer mehrflicherigen Frucht wie

der Apfelsine oder der Granate, dann auch wohl eine geschnittene

Scheibe des Apfels u. s. w. als „Keim" zu bezeichnen lieben. Auch

das galilo selbst von dem wir ausgegangen sind, legt hierfür

Zeugnis ab, und die Bedeutungen „Keim", „Schöfsling" und „Obstscheibe",

„Fruchtviertel" sind vereinigt in port. go7no und rom.

.j^catulus (Rom. Etym. II, 32. Ztschr. XXIII, 334; füge hinzu ital. cacchio

„erster Sprofs der Weinrebe"), und, bei einem abweichenden Ausgangspunkt,

in rom. ^carilium (Ztschr. XXIII, 192 ff. 334); ^caiulus be-

rührt sich z. T. auch in der Form nahe mit ^galleus, so obw.-graub.

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