Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

LAT. GALLA. 325

oder des Kohls" und (lanc.) „Stück oder Ausschnitt aus einer

Wassermelone, einem Brett, einem Körperteil", „halber Kern einer

frischen Nuss", (chiet.) „frische Nufs"; wozu sich weiter mirand.

gallett „Nufskern", ^^?ixm.. galett „Herz des Lattichs oder des Kohls",

„Nufssattel" stellt. — Vielleicht also steht im Portugiesischen galelo

dem galho näher als dem galha. Übrigens hätte Leite wegen

des Geschlechtswechsels zuallererst auf port. biigalho = span. hugalla

„Gallapfel" hinweisen sollen; biig- wird vermittelst Dissimilation von

g-g und Assimilation von g- an -ic aus *gug- entstanden sein

(vgl. span. burujo \ gurujo Ztschr. XXIII, 194); eine solche Wortform

liegt ja wirklich vor in svLdixTmz. gougalo „Gallapfel" (vgl.

Südfranz, couciiro, cowicöli [s. Rom. Etym. II, 31], emil. [regg.] gargalla,

inaul. gargd/uk, istr. [siss.] gafigd/a neben slsiw'. ga/ka [Ive S. 165]

„Gallapfel" — lauter Formen welche bei der Erklärung anderer,

insbesondere italienischer mit der Bed. „Halsdrüse" berücksichtigt

werden müssen).

Die etymologische Erörterung Leites erinnert mich daran dafs

ich vor einigen Jahren gewisse romanische Fortsetzungen des lat.

ga//a in einer Anmerkung (Ztschr. XXV, 247 f.) berührt habe, und

erweckt in mir den Wunsch noch mehr davon jetzt zur Sprache

zu bringen, nämlich solche bei denen man auf falsche Fährte geraten

ist indem man sich zu sehr von Wortähnlichkeiten bestimmen

liefs und mit dem Sachlichen nicht genügend vertraut war.

Bis zu einem gewissen Grad lehrreich sind die Bedeutungsverknüpfungen

welche in andern Sprachen, z. B. den slawischen

und der madjarischen durch die Ausdrücke für „Gallapfel" dargestellt

werden; am auffälligsten ist wohl die Übereinstimmung

zwischen port. hiigalho do olho und madj. (16. Jhrh.) szem hugdja,

(mdl.) szem gubdja, auch blofs (radl.) buga, gubö „Augapfel" (es

versteht sich von selbst dafs der Anklang von biiga := guba ,yQxz\\-

apfel" an bugalho auf Zufall beruht), was freilich an sich nicht

schwerer zu begreifen ist als das neulat. bulbus oculi. Ich gedenke

das lat. galla nach zwei Richtungen hin zu verfolgen.

I. In gütige [gatigue, gole, jole, gaille u. s. w. mit oder ohne ^nux\

s. Rolland Flore pop. IV, 34!.), welches in den nordfranz. Mdd.

„Wallnufs" bedeutet, sieht G. Paris (Rom. XV, 631) „le seul reste

vivant du vieux nom des Gaulois"; aber es hat nichts mit den

Galliern zu tun, und kann nichts mit ihnen zu tun haben. Horning,

auf dessen Auslassung über das lothr. 7iezor (Ztschr. IX, 505) sich

Paris an jener Stelle bezieht, hatte über den Ursprung des Wortes

nicht entschieden, sondern nur drei Möglichkeiten desselben aufgestellt.

Das Richtige ist darunter; aber als solches erkannt und

begründet finde ich es erst bei Rolland a. a. O. S. 31 Anm. Der

Gallapfel und die grüne Schale der Wallnufs dienen beide dazu

schwarz zu färben. Der erstere sei wirksamer als die letztere; daher

sei diese gallica (der kleine Gallapfel) genannt worden, zum

mindesten im Mittellatein. Diese Deutung ist wegen des zweifellos

hohen Alters von gallica kaum annehmbar; wir haben hierin viel-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine