Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SCHUCHARDT,

mehr ein Adjektiv: „galläpfelig", „gallapfelartig" zu erblicken, das

zunächst in offene oder geheime Verbindung mit cortex oder einem

andern Wort für „Rinde", dann mit 7iiix trat, ist doch auch ^(nux)

gallea vorhanden. In ^iix galla freilich ist das zweite Wort Substantiv,

welches etwa die Spezies neben dem Genus bezeichnet;

wo ^galla allein für „Wallnufs" steht, da hat tatsächlich Gleichung

zwischen der wirklichen und der scheinbaren Frucht stattgefunden.

Diese tut sich nun auch umgekehrt in dem Gebrauch von .^nux

galla für „Gallapfel" kund: ital. 7ioce galla, noce di galla; daher

franz. not'x de galle (schon im 13. Jhrh.); denn die Franzosen haben

auch galle selbst, zwar nicht, wie das Dict. gen. sagt, aus dem

Lateinischen, wohl aber aus dem Italicnischen oder Provenzalischen

entlehnt (Levy hat Belege für prov. _^ß/a beigebracht i). Darauf be-

ruht auch das Galhm/s der germanischen Sprachen; es ist insofern

dasselbe wie Walhiu/s, als das Wall- das galla, gallica der Römer

oder Romanen, allerdings unter Annahme einer andern Bedeutung,

übersetzt {so bei Rolland; die Angaben unserer etymologischen

Wörterbücher sind danach zu verbessern). Endlich ist zu bemerken

dafs ^gallica, welches in Frankreich für die Wallnufs gilt, in manchen

ital. Mdd. auf den Gallapfel bezogen wird: ver. galega, parm. galga.

Leichter noch als die ganze Wallnufs konnte, wegen der Gleichheit

der Verwendung, deren grüne Schale als galla „Gallapfel" bezeichnet

werden; so geschieht dies noch heute in Kalabrien, wo

galla Accattatis zufolge auch bedeutet: „il mallo della noce che

serve alle nostre contadine per tingere il filo e i panni". Umgekehrt

erscheint der Name des Gallapfels: guienn. galopo (vgl.

istr. [rov.] galiiopo, galupo „cypressenapfelartige Frucht eines Dorn-

strauchs"; in Italien wird ja der Cypressenapfel als Gallapfel der C.

bezeichnet)'- beeinflufst durch den der äufseren Wallnufsschale: franz.

(16. Jhrh.) chalope, norm. (Orne) eclope Roll., südfranz. escalopo

(neben escaloufo u. ä.; bedeutet auch „äufsere Kastanienschale" wie

das gask. carrop). 3 In den alten Glossen zu lesendes galU-

1 Die zuletzt von ihm angeführte Stelle ist ihm, wie er sagt, nicht klar;

adobar en gala bedeutet doch offenbar so viel wie ,,niit Galläpfeln gerben"

(vgl. galamota ebenda, welches mit ,,teinlure" wohl zu allgemein wiedergegeben

ist). Caligdrius findet sich in der Bed. „Gerber" mit c- in den ital.

Mdd.; wenn das Toskanische galigajo hat, so mag das dar la galla, impastare

di galla (parm. galar) der Gerber mit eingewirkt haben.

2 Auch V-\\. gaddoffa ,, geröstete Kastanie" (so Lombardi; Scerbo hat

gadduoffu ,, geröstet" — vgl. galhofo folg. S., Z. 10 f.) und Tigwow. gaglieppa

,,Erd- oder Schneeballen" gehören hierher. Von dem ersteren hat die Endung

entlehnt ik&^. galluffo , siz. kal. {K.tgg\o) gadduffu „schlecht verschnittener

Hahn" (ka.]. gaddößaru ,, Hermaphrodit" nach Lombardi) = ital. ^a//;'o«i?,

gallastrone, emU. gallusier u. s. w. Ich erwähne noch agnon. gaglzuoppe „Art

Weintraube", vielleicht dieselbe wie die galletta der Toskaner, die nach der

Ähnlichkeit der Beeren mit Plühnernieren benannt sein soll.

3 Das

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