Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SCHUCHARDT,

glöfH, sglöm, gajoin, gaöni^, oberl.-mail. gajiimm (auch im Sinne

des grünen Kelchs der Hasehiufs), sgajümm, com. gajibn (davon

gajümaa „macchiato del mallo della noce") (vgl. tess. [Val

Verzasca] sgajüsdä Vb.).2 Bis hierher fühle ich mich selbst

ganz sicher; wenn ich mich nun weiter vorwage, so geschieht es

um anzuregen. Es mufs nämlich hier die Spezialforschung ein-

setzen, die kleine Schritte macht. Man hat gajüm auf gaja

„Spreu", „Hanfschäben" u. ä. zurückgeführt, das sich, mit mancherlei

Ableitungen, in den lomb. BIdd. findet; das Umgekehrte ist mir

das Wahrscheinlichere, das heifst dafs die ursprüngliche Bedeutung

in jenem, die abgeänderte in diesem Worte enthalten ist. Vom

Gallapfel zur äufseren Schale der Wallnufs und von hier zur

äufseren Schale der Kastanie (vgl. galopo oben; auch m.'did]. giiba,

gubö bedeutet „Gallapfel" und [mdl.] „äufsere Schale der Kastanie")

oder zum grünen Kelch der Haselnufs (s. oben), dieser Weg liegt

klar zu Tage (und ebenso leicht versteht man dafs mallo „äufsere

erklärt auch nicht den schwankenden Anlaut von voluppare , g- neben v-:

südfranz. agoiiloupa, agaloiipa, islr. (rov.) ingahtpd , romagn. agulpe,

aglupe , chian. agiiluppere , kors. inguliippd, Sbst. agnon. gagUuoppe (vgl.

ital. aggolpacchidre = avv. „avviluppare" im übertr. S.). G = v, das

auch vor a auftritt, weist auf die Beteiligung eines germanischen Wortes. Am

nächsten steht dem voluppare mittelengl. wAz/'/^w ,, einwickeln", dessen Verhältnis

zu den gleichbed. wrappen (jetzt wrap) und läppen (jetzt lap; es gibt

auch im Romanischen Formen mit /- statt vol-) allerdings noch nicht gelichtet

ist. Der Gedanke an eine Verwandtschaft der englischen Wörter mit den

romanischen findet sich bei Skeat ausgesprochen; sonst meines Erinnerns nicht.

Engl, -wallop ist für voluppare nicht zu berücksichtigen, sicher jedoch, wie ich

denke, für gahppare , da seine Bed. ,,sich schnell rollend oder wellenförmig

bewegen" zu der des letzteren trefflich pafst (vgl. auch engl, wallow).

1 In andern Mdd. der Prov. Bergamo viaöni (und »nio, indol), ferr. maluin,

piac. rnallatitt, friaul. tnalite, im Anschlufs an das mallo des Schriftital., welches

mit weiblicher Endung in den emiliaschen Mdd, erscheint: bol. (s)mala, mit

Umstellung med. regg. parm. mir. mant. lama, mit mouilliertem / : romagn. maja;

vielleicht stammt dieses aus gaj- oder aus malleolus, ital. niagliuolo u. s. w.

„Rebschöfsling". Auf jeden Fall beachte man den Parallelismus mit galla

u. s. w. in Form und Bedeutung. Die Ursprünge von mallo liegen noch

keineswegs klar zu Tage; es mag eine Nominativform sein } lat. mallo, aber

dessen Bedeutungen ,, Zwiebelstiele" und ,, Gelenkgeschwulst" (der Tiere)

können ebensowenig die unmittelbaren Vorgänger von der Bed. „grüne Nufsschale"

sein, wie die unmittelbaren Fortsetzungen von der Bed. ,, Zotte" des

gr. f.ia?./.ös. Das ital. Wort ist nicht über die ganze Halbinsel verbreitet; dem

Süden scheint es eigentlich fremd zu sein, und auch im Norden machen ihm

andere Wörter den Boden streitig, besonders ^carilium, und ein keltisches

Wort, nämlich derla, derlon zu Mailand und Pavia (com. derla ist „die der

grünen Schale entkleidete Nufs", aus derla — so auch mail. pav. — „die N.

der gr. Seh. entkleiden" verkehrt abgezogen; vgl. Ztschr. XXIII, 192), also im

Gebiete der alten Eichenfeen, d(tx fatae Dervones oder matronae Dervonnae.

2 Da ^carilhim nicht blofs ,, äufsere Nufsschale", sondern auch ,,Nufskern"

und ,,Nufsviertcl" bedeutet (Ztschr. XXIII, 192 ff.), so liefsen sich

die S. 324 f. angeiührten Ausdrücke callecchie, gallett für ,,Nufskern" und

,, halber Nufskern" auch hier oben anfügen. Eine Entscheidung ist schwer zu

treffen da die verschiedenen hier zur Sprache kommenden Wörter sich in-

betreff ihres Bedeutrmgsumfangs gegenseitig mehr oder weniger beeinflufst

haben.

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