Zeitschrift für romanische Philologie

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LAT. GALLA. 329

Schale der Wallnufs, der Mandel" auf die fleischige Hülle der

Kirsche, Pflaume u. s. w. ausgedehnt wird) ; ein Sprung aber scheint

es von da zu ital. gaghuolo, pist. gallessa „Schote", „H. einer Hülsenfrucht"

zu sein. Indessen kann auf eine Menge von Ausdrücken

verwiesen werden wie südfranz. gruei'o, nordfranz. ecale, caloffe, hufion

u. s. w., welche ebensowohl die H. einer Hülsenfrucht wie die äufsere

Wallnufsschale bezeichnen, und auch auf madj. siiska und buga,

beides „Gallapfel" und (radl.) „Leinsamenkapsel" (vgl. gask. carrolö

Ztschr. XXIII, 194). Den letzten Übergang zu „Balg, Hülse des

Getreides", „Spreu" werden manche für den bedenklichsten halten,

und doch geht gerade ein Wort je weiter, desto leichter, oder unbildlich

gesagt, je mehr sich der Begriff erweitert, desto eher kann

er sich auch wieder verengern. Ich erinnere z. B. an bresc. rnögol

„äufsere Wallnufsschale" und „abgekernter Maiskolben", wo das

Gemeinsame nur in dem weichen, aber nicht efsbaren Teil der

Frucht liegen kann, oder besser noch an brou, das im Franz.

„äufsere Wallnufsschale", in der Md. des Forez „Spreu" bedeutet;

beides beruht auf der ganz allgemeinen Bedeutung „Sprofs", „Trieb"

(franz. hrout). Eine solche gemeinsame Urbedeutung habe ich auch

für galla, ^ga/Ius, ^ga/ka, ^gaUetis angesetzt („Auf- oder Hervorsprudelndes"),

und es bliebe nun zu untersuchen welche Wörter

die überhaupt zu dieser Sippe gehören, als Nachkommen und

welche als Seitenverwandte von galla zu betrachten sind. Oder

sollen wir die Annahme von letzteren überhaupt fallen lassen?

II. Der Gallapfel besitzt eine Eigenschaft von der man um so

weniger Befruchtung der Sprache erwarten sollte als sie nur bei

dem im kaufmännischen Sinne geringeren, dem vom Insekt durchlöcherten,

also schwammigen Gallapfel sich zeigt: die aufserordentliche

Leichtigkeit; der unversehrte, dunkel gefärbte ist im

Gegenteil so schwer dafs er rasch im Wasser untersinkt. In Italien

aber wird galla gebraucht um einen Gegenstand als ganz besonders

leicht zu bezeichnen: pesa quant^ tum galla, i una galla (Petrocchi),

vor allem leggier come una galla, auch in übertragenem Sinne:

non ti fidare di quella galla (Petrocchi) und bei Buonarroti: vana e

leggieri assai pili d' una galla. Zu Bologna, Ferrara, Mirandola

heifst der Gallapfel pancbch, pancuch; daher bol. al par un pancdch

— aveir la thta cnC e un pancbch. Die Verneinung wird verstärkt

durch siz. gadda in : nun ni sapiri 'na gadda. Parm. gala d'' faräina

,>leichtestes Mehl", „Flugmehl"; emil. lomb. ^c?/^//« „Seidengehäuse",

wegen der Leichtigkeit {nea^p. gallei/a, {err. galel „Gallapfel"). Ital.

essere, stare a galla „auf der Oberfläche des Wassers (oder irgendwelcher

Flüssigkeit) sein", andare, venire a galla „auf die O. kommen"

(entsprechend: rimanere a galla, iornare a galla, nuoiare a galla,

porre a galla) ist seinem Ursprung nach schon vor langer Zeit

richtig erkannt worden {a galla = a modo di galla Ferrari), erst

neuerdings verkannt, wie allerdings schon in Wendungen wie sia

a galla come il sughero oder come V oglio das Bild des Gallapfels

gänzlich verblafst ist. Ohne zu bedenken dafs galla nur in der

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