Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

A. L. STIEFEL, ZU LOPE DE VEGA. 335

Horacio

Curiacio

Para qu6?

I'ues, porque le has de dejar p

Horacio

No me acostumhro llevar

La silla en que me asenie.

( Vase)

Wie man sieht, stimmt Lopa de Vega mit Timoneda, besonders

in den durch kursiven Druck hervorgehobenen Stellen

vollkommen überein. Man darf also ohne Bedenken den letzteren

für die Vorlage des ersteren ansehen. Indes wird man auch die

Möglickeit im Auge behalten müssen, dafs Lope de Vega nicht

die Sobremesa selber, sondern eine jüngere Anekdotensammlung,

welche den Schwank getreu wiederholte, vor sich hatte. An solchen

Libros de chisles hatte Spanien im i6. und 17. Jahrhundert keinen

Mangel, nur gehören sie heute, soweit sie nicht durch Neudrucke

wieder zugänglich gemacht worden sind, zu den gröfsten Seltenheiten,

so dafs es schwierig ist, der Sache auf den Grund zu

kommen. Jedenfalls war unsere Anekdote in Spanien verbreitet.

In dem neuerdings herausgegebenen Lrber facetiaruin des Ludövici

de Pinedo,' das dem 16. Jahrhundert angehört, ist sie zweimal erzählt.

Ich gebe die beiden Versionen hier wieder:

I.

Dicen que un Embajador de Venecia, en presencia de la Reina Dona

Isabel, y visto que no le daban silla, se desnudö la ropa rozagante que levaba

y la puso en el suelo doblada, y sentose; y despues que liubo negociado, se

fue en cuerpo.

La Reina enviö un mozo de camara que le diese la ropa. El Emba-

jador respondiö: „Ya la Senoria no necesita de äqual escabel. — Y no quiso

tomar la ropa.

II.

D. Juan de Velasco, hijo del Condestable D. Bernardino, enlrö d visitar

al Duque de Alba y ä otros Grandes. No le dieron luego silla: doblö su

capa y sentöse e7i el suelo.

Diese beiden Darstellungen, welche die Anekdote in ver-

schlechterter und verstümmelter Gestalt wiederholen, können für

Lope de Vega natürlich nicht in Betracht kommen. Sie zeigen

aber, dafs man den Witz in allerlei Varianten erzählte. In der ersten

Version zeigt sich wenigstens noch ein Zusammenhang mit Timoneda

1 Abgedruckt in A. Paz y Melia Sales Espanolas ö Agudezas del

Ingenio Nacional I. Serie (Coleccion de Escritores Castellanos Bd. 80) S. 255

bis 316. Die beiden Anekdoten stehen auf S. 310 f. bezw. 312.

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