Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

348 BESPRECHUNGEN. R. ZENKER,

enthält im ganzen nichts wesentlich Neues.^ Das Schwergewicht der Arbeit

liegt durchaus in dem umfangreichen ersten Hauptteil, in dem die mannig-

fachen Probleme, welche das Leben des Dichters, die persönlichen und histo-

rischen Anspielungen in seinen Liedern und die razos aufgeben, zu eindringender

Erörterung gelangen. Ich bedaure nun, bei aller Anerkennung

für die von A. betätigte Akribie und für die Gründlichkeit seiner Nach-

forschungen, besonders nach der historischen Seite, doch erklären zu müssen,

dafs er mir hier in wichtigen Punkten zu durchaus unhaltbaren Ergebnissen

gelangt zu sein scheint und dafs m. E. die von ihm gezeichnete Biographie

des Dichters einer durchgreifenden Revision bedarf.

Zunächst scheint mir A. die Lebenszeit des Dichters falsch anzusetzen.

Er will Miravals Laufbahn mit den Jahren 1135 und 1216 einschliefsen : das

erstere Datum gewinnt er aus Miravals Auftreten in einer Urkunde vom

J. 1157, Grundlage für Annahme des zweiten Datums bildet die Tatsache,

dafs eines seiner Lieder sicher noch ins J. 12 13 fällt. Nun wären aber alle

datierbaren Gedichte Miravals nach A.s eigenen Darlegungen erst innerhalb

der Jahre 11 94— 12 13 entstanden. A. sieht sich somit zu der Annahme ge-

nötigt, dafs alle Liebeslieder Miravals, soweit sie sich zeitlich fixieren lassen,

erst in der Zeit vom 60. bis 78. Lebensjahr des Dichters verfafst seien, ja er

mufs noch in sein 78. Lebensjahr ein Lied setzen — eben das vom J. 121 3:

Bei ftt'es quHeu chant e'm conhdey — , dessen Inhalt A. dahin charakterisiert:

La politique et la guerre le touchaient peu; la galanterie conventionelle

dont s"alimetitait sa poesie, lui suffisait — , ein Lied, welches zum Schlufs die

Erwartung äufsert, dafs (nach dem Siege der Albigenserpartei) „Damen und

Liebhaber die Freude wieder gewinnen werden, die sie verloren haben"! Die

UnWahrscheinlichkeit einer solchen Annahme springt in die Augen. Andraud

selbst ist sich ihrer denn auch vollkommen bewufst: comment admettre , ruft

er aus, qu'u7i •vieillard ait ecrit tant de chansons d''amour et ait ^te meld ä

tant d'mtrigues galantes? . . . Vobjection est forte . . . Trotzdem hält A. den

Einwand nicht für durchschlagend: er weist auf die Tenzone Miravals mit

Aesmar hin, aus der hervorgehe, dafs der Dichter „hten que vieilli, ti'en avait

pas moins la pretentio7i de sacrifier ä la beaute, tout comme au temps de sa

jeunesse". Aber einmal ist der Begriff „alt" bekanntlich überaus dehnbar,

und dann läfst sich m. E. aus der Tenzone das, was A, in ihr findet, über-

haupt nicht herauslesen, sondern nur, dafs Miraval damals bereits in einem

gewissen Alter stand und dafs Ademar die Absicht hegt, sich von einer

dompna veillezida zu trennen; V. 27: El partir 710 vos ten dan (Worte Miravals)

scheint mir den Schlüssel zum Verständnis des ganzen Gedichtes zu enthalten.

Die UnWahrscheinlichkeit von A.s Datierung des Dichters bleibt also bestehen.

Sie nötigt, meine ich, zu der Alternative: Entweder ist zum mindesten die

Datierung des auf 12 13 angesetzten Liedes falsch, oder aber der zum J. 1157

* Ein Versehen ist es, wenn A. S. 179 bemerkt, die beiden Sirventese

an Bayona und das an Fornier gehörten zu der Gattung der Sirventes

joglaresc, den Ausdruck in dem Sinne verstanden, den Ref. damit verbinde.

Ich habe gerade bestritten , dafs die Bezeichnung Sirventes joglaresc auf derartige

Gedichte angewandt worden sei, wie sich aus meiner von A. in Anm. 2

zustimmend zitierten Definition des Ausdrucks deutlich ergibt. A. fafst den

Terminus in dem Sinne, den Wilthoeft ihm beilegte.

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