Zeitschrift für romanische Philologie

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PAUL ANDRAUD, LA VIE ET l'cEUVRE DU TROUBADOUR ETC. 353

ein Gönner der Spielleute war, erfahren wir auch aus einer Stelle der Geschichte

des Albigenserkrieges des Pierre von Vaux Cernay, Bouquet, Recueil t. XIX,

S. 41 DE, wo erzählt wird, wie der Graf von Foix einmal mit Gewalt in das

Kloster Pamiers eindrang „mit einem Gefolge von Söldnern, Spielleuten

und Dirnen {habens secum ruptarios, mimos et meretrices)^^^ Die Liberalität

des Hofes von Foix — es mufs dahingestellt bleiben, ob, wie zu vermuten,

Raimon Rogier selbst oder vielleicht sein Vater gemeint ist — wird auch

gerühmt von Raimon Vidal v. Bezaudun in dem Ensenhatnen: Abrils issV e

mays intrava in einer von Andraud S. 5 selbst zitierten Stelle:

E silh que venion per Foys

aqui troiavon un senhor

adreg e plazen donador,

st CO dizian totz lo mons.

(V. 788—91 ed. W. Bohs, Erlangen 1903.)

In Beziehung zu Miraval zeigt uns den Grafen von Foix ferner die raio zu

S'ieu en cantar soveji (Andraud S. 217), wo er als der begünstigte Liebhaber

der Loba von Pennautier erscheint, zu deren Freunden dieser razo zufolge

auch Miraval gehört hätte. Endlich sei noch darauf hingewiesen, dafs in

Miravals Liede Tals vai jnon chan enqueren, wie Andraud selbst S. 160 an-

merkt, V. 42 nach der Lesart der Hs. U eine N'Ermessen erwähnt wird, die

mit der gleichnamigen Gattin von Raimon Rogiers Sohn Rogier Bernart von

Foix, Ermessinde von Castelbon, zu identifizieren nahe liegen würde (die Ver-

mählung fand nicht, wie A. angibt, schon 1202, in welchem Jahre nur der

Ehekontrakt geschlossen wurde, sondern erst nach 1206, vermutlich 1208 statt,

s. Baudon de Mony, a. a. O. S. 135, Anm. 2). Da andere Hss. Na Guillelma

bieten, so bleibt es freilich ungewifs, ob die Lesart von U die ursprüngliche

ist. Hier macht sich der Mangel eines kritischen Textes störend bemerkbar.

Ich denke, nach alledem dürfte eine recht grofse Wahrscheinlichkeit

daiür sprechen, dafs hinter Pastoret , der mit Raimon Rogier von Beziers

sicher nicht identisch ist, der bekannte Graf Raimon Rogier von Foix ver-

borgen ist, der dann also neben Raimon VI. v. Toulouse als Miravals Haupt-

gönner zu betrachten wäre. Ist das Ergebnis richtig, dann wird damit auch

die S. 412 gegebene Datierung aller Lieder, in denen Pastoret genannt wird,

und eo ipso auch die aller Lieder, die den Namen Mais d^amic enthalten,

hiniällig, denn diese Datierung gründet sich eben ausschliefsUch auf die

Identifikation PastoreVi, mit Raimon Rogier von Bdziers. Wann die be-

treffenden Lieder nun, vorausgesetzt, dafs sie auf den Grafen von Foix Bezug

nehmen, entstanden sind, das zu ermitteln mufs ich weiteren Nachforschungen

überlassen.

Am Schlüsse des Abschnittes, in dem A. Miravals Beziehungen zu den

Fürsten von Nordspanien untersucht, kommt er S. 74 zu sprechen auf die

Haltung, die der Dichter gegenüber den tragischen Ereignissen des Albigenser-

krieges einnahm. Er meint, Miraval scheine durch diese politischen Vorgänge

1 Hier mufs daran erinnert werden, dafs Pierre von Vaux Cernay ein

erbitterter Feind Raimon Rogiers ist. Er nennt ihn den crudelissimiis persecutor

ecclesiae (a. a. O. S. 10 E): Diffitebatur hominem, imitabatur saevitiain

belluinam, factus fera pessima et iion liomo (S. 43 T'>).

Zeitschr. f. rom. Phil. XXIX. 23

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