Zeitschrift für romanische Philologie

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356 BESPRECHUNGEN. R. ZENKER,

sind und seine Ergebnisse mir auch hier strengster Nachprüfung dringend bedürftig

scheinen. So halte ich die Gründe für die Identifikation von Mais d'amic

mit der Loba von Pennautier für durchaus unzureichend; ich wäre geneigt,

den Verstecknamen vielmehr auf Raimon Rogiers Gemahlin Philippa v. Foix

zu beziehen, die nach einer von A. S. 67 Anm. 2 abgedruckten Notiz bei

Paradin, Alliances geneal. S. 841 von ihrem Gatten vernachlässigt wurde.

— Die Datierung der Lieder auf Azalais von Boissezon (1204—7) S. 128 fällt

mit der Datierung der Mais rf'aw/c-Lieder, die, wie wir sahen, auf der unhaltbaren

Identifikation Pastorefs mit Raimon Rogier von B^ziers beruht. —

Sehr entschiedenen Einspruch mufs ich endlich erheben gegen die sonderbare

Charakteristik, welche A. im Schlufsabschnitt dieses Kapitels S. 160 f. von dem

Dichter entwirft; er ist bemüht, ihn in einem teils lächerlichen, teils ab-

stofsenden Lichte erscheinen zu lassen. Er findet „que le role joue par lui

dans ces avejitures [den vorher besprochenen] etait deplaisant, ä moins qu'il

ne füt ridicule. C etait, semble-t-tl, une äme asses vulgaire que le petit

chatelain de Miraval . . ."; seine delicatesse ist nur an der Oberfläche: il a

le depit brutal, l'inj'ure facile, quelquefois odieuse; er ist U7i personnage

assez peu recommandable. Die bei Miraval mehrfach wiederkehrende Formel,

dafs er sein Schlofs unter die Lehnshoheit der Dame stellt, wird als lächerlich

bezeichnet u. dgl. m. Andraud macht hier, scheint mir, einen doppelten

Fehler: einmal bewegt er sich in einem regelrechten Zirkel. S. 81 spricht er

die Ansicht aus, dafs alle Details, welche die razos über die me'saventures

du troubadour bringen, herausgesponnen seien aus den Worten der Biographie:

e no se creset mais qu'el de neguna en dreg d'amor agues ben, e totas

Venganeren; und nun gründet er auf eben diese razos, denen ihre Unglaub-

würdigkeit in der Tat an die Stirn geschrieben steht, seine wegwerfende

Charakteristik des Dichters! Der zweite Fehler, den A. begeht, ist der, dafs

er es unterläfst, den Dichter mit dem einzig gerechten Mafsstab, dem Mafs-

stab seiner Zeit, zu messen. Die oben erwähnte Redeformel hat gar nichts

lächerliches, wenn man bedenkt, dafs die Trobadors ganz allgemein ihr Ver-

hältnis zu den Frauen, denen sie huldigen, mit dem Verhältnis eines Lehnsmannes

zu seinem Lehnsherrn vergleichen. In dem 2. Sirventes an Bayona

(S. 69 f.) vermag ich beim besten Willen nichts von Brutalität zu entdecken,

wenn man sich gegenwärtig hält, dafs die damalige Zeit überhaupt einen etwas

derben Humor liebte. Das Lied Chansoneta farai veticutz, wegen dessen A.

mit dem Dichter S. 125 so scharf ins Gericht geht, ist freilich etwas kräftig

im Ausdruck, aber bevor wir Miraval deshalb verurteilen, müfsten wir doch

erst über die Vorgänge, die zur Entstehung des Gedichtes Anlafs gaben,

näheres wissen; es könnte doch sein, dafs die Satire in diesem Falle eine

vollberechtigte war! Das gleiche gilt von dem Liede Ben aial messatgiers,

wegen dessen A. dem Dichter S. 149 den Text liest. Und warum hat A. für

seine Charakteristik des Dichters das Sirventes Aras no

tardar gar nicht herangezogen ? Hier lauten St. III V :

m Vn puosc plus

„Gragnolet [offenbar ein Joglar] hörte ich erzählen, was bitter zu be-

richten ist: dafs ein Ritter kam, der Gattin des Herrn Castelnou den Hof zu

machen, aber diesem behagte das nicht, und weil der Herr uneingeladen sich

zu Gaste bat, hat er ihn um einen Kopf kürzer gemacht.

Solchen Streich sollte jeder Liebhaber vermeiden; denn es ziemt sich

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