Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

366 BESPRECHUNGEN. W. VON WÜRZBACH,

oder Schaffen des Cervantes bescliäftigen. Da die „Docmnentos Cervajiiinos"

unser bisheriges Wissen über das Leben des Verf. des „Don Quixote" wesent-

lich modifizieren, wollen wir im folgenden in Kürze zusammenfassen, was sich

aus ihnen mit Sicherheit ergibt. Ihre Enthüllungen nehmen der Biographie

des Cervantes nicht ein Gran von ihrer romanhaften Abenteuerlichkeit.

Die Ehre, die Geburtsstadt des C. zu sein, machten sich bekanntlich

acht Städte Spaniens streitig; nach einem von P. Pastor veröffentlichten

Dokumente (I. Bd. Nr. 19) kann jedoch kein Zweifel mehr darüber sein, dafs

er zu Alcalä de Henares das Licht der Welt erblickte. In einer Eingabe,

welche er am 18. Dez. 1580 machte, nennt er sich selbst „natural de Alcald

de Henares". Sein Vater lebte daselbst als Wundarzt. Bevor Miguel zur

Welt kam (1547) hatte D», Leonor de Cortinas ihrem Gatten bereits einen

Sohn Andres (geb. 1543), von dem wir weiter nichts hören, und zwei Töchter

Andrea (geb. 1544) und Luisa (geb. 1546) geschenkt. Andrea, die Lieblings-

schwester des Cervantes, begegnet uns in seiner Biographie noch wiederholt,

Luisa trat schon 1565 in das Kloster der Karmeliterinnen zu Alcald ein.

Kurz nach der Geburt seines jüngeren Bruders Rodrigo (1550), der wie Miguel

Soldat wurde, und bei Lepanto mitkämpfte, scheint die Familie nach Valladolid

übersiedelt zu sein. Pastor meint, der Grund sei gewesen, dafs der Vater in

der Universitätsstadt Alcald nur wenig verdient habe, doch ist dies nur eine

Vermutung. — In Valladolid wurde seine Schwester Magdalena (ca. 1555),

und wahrscheinlich auch der jüngste Bruder Juan (geb. zwischen 1557— 60,

+ vor 1593) geboren, so dafs man heute mit Sicherheit sechs Geschwister des

C. kennt, während ältere Biographen nur von dreien (Rodrigo, Juan und

Andrea) wufsten. Es wurde vielfach bezweifelt, dafs Magdalena, die in späterer

Zeit in seinem Hause lebte, seine Schwester gewesen sei; ihr Testament (II. Bd.

Nr. 84) hat jedoch hier Gewifsheit geschaffen. Um 1561 hielt sich die Familie

dauernd in Madrid, 1564— 1565 in Sevilla auf, wo C, seine ersten Studien ge-

macht haben soll (cf. Rodriguez Marin's Abhandlung: „C estudiS en Sevilla").

Nach dem Tode seiner Grofsmutter Elvira de Cortinas zog die Familie wieder

in die Hauptstadt, und damals verkauften die Eltern, ohne Zweifel um Geld

für die Reise zur Verfügung zu haben, einen Weinberg in der Nähe von

Arganda. (19, Dez, 1566. II. Bd. Nr. 2). Die pekuniären Verhältnisse scheinen

stets knappe gewesen zu sein, denn noch 7 Jahre später müssen sich die

Kitern des C. kontraktlich verpflichten, dem Schneider Hernando de las Bar-

cenas 12 Dukaten für Kleider als Rest einer gröfseren Schuld zu bezahlen.

(II. Bd. Nr. 6.) Immerhin sagt der Vater in seinem Testament vom 8. Juni

1585 (I. Bd. Nr. 23.), dafs er niemandem etwas schulde, ja er hatte im Gegen-

teil 1576 eine Forderung von 800 Dukaten an den Lizenziaten Pedro Sdnchez

in Cordoba, die er damals erfolglos einzutreiben suchte. (I. Bd. Nr. il, 13.).

Als Dichter trat Cervantes zum ersten Male anläfslich des Todes der

Königin Isabella, der 3. Gattin Philipps IL, in die Öffentlichkeit. Ein damals

von Juan Lopez de Hoyos, Professor der Beredsamkeit zu Madrid zu Ehren

der verstorbenen Königin herausgegebener Sammelband enthielt auch einige

— recht schwache — Gedichte seines „geliebten Schülers" Cervantes. Kurze

Zeit später (Ende 1568) verliefs dieser als Kämmerling des päbstlichen Legaten

und späteren Kardinals Msgr. Giulio Acquaviva Spanien. Auf welchem Wege

er in den Dienst des musenfreundlichen Kirchenfürsten kam, ist nicht bekannt.

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