Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

DOCUMENTOS CERVANTINOS HASTA AtlORA INEDlTOS. 367

Man vermutete früher, dafs er ihm miter den Dichtern, die ihre Feder zum

Lobe der entschlafenen Königin in Bewegung gesetzt hatten, vorgestellt wurde.

Pastor hat eine andere Erklärung. Er weist nach, dafs der Kardinal Espinosa,

Erzbischof von Siguenza ein Protektor des Professors Hoyos war, dem dieser

seine Schriften widmete. Da der päbslliche Legat mit dem Kardinal-Erz-

bischof nun sicher in Verbindung trat, nimmt Pastor an, dafs dem jungen

Cervantes die Empfehlung seines Lehrers und auch jene des Kardinals zu

gute kam, was nun allerdings nicht bewiesen ist. Wie dem aber auch sei,

er scheint in Italien nicht lange in Acquaviva's Diensten geblieben zu sein,

denn am 22. Dez. 1569 Hefs sein Vater in Madrid durch drei Zeugen proto-

kollarisch feststellen, dafs Miguel sein und seiner Gattin ehelicher Sohn, dafs

seine Abkunft eine rein christliche, und dafs keiner seiner Vorfahren mit der

Inquisition in Berührung gekommen sei. Diese „Infortnacwn" (II. Bd. Nr. 4)

wurde ohne Zweifel auf Bitten des in Italien weilenden Sohnes selbst aufgenommen,

der das Dokument wohl benötigte, um anderwärts unterzukommen.

Über die nächste Phase seines Lebens, seine Kriegsdienste auf der

Flotte Don Juan d'Austrias und seine Teilnahme an der Schlacht bei Lepanto,

in welcher er eine Hand verlor, bringen die „Documentos" nichts neues —

ein einziges berichtet, dafs am 15. November 1574 der Herzog von Sessa, Vize-

könig von Neapel, dem verdienten Soldaten im Auftrage Don Juans 25 Escudos

auszahlen liefs (2. Bd. Nr. 7). Zehn Monate später wurde das Schiff „El Sol",

auf welchem er mit seinem Bruder Rodrigo und zwei anderen Spaniern nach

so langer Abwesenheit in die Heimat zurückkehren wollte, von algerischen

Piraten überfallen und alle Insassen wurden in die Gefangenschaft geschleppt,

in welcher Rodrigo zwei, Miguel aber fünf Jahre schmachten sollte. Was er

in derselben zu erdulden hatte, ist seit Navarrete sattsam bekannt. Haedo,

der in seiner Geschichte Algiers die Erlebnisse der Cervantes daselbst aus-

führlich bespricht, sagt, seine Gefangenschaft sei eine der schlimmsten ge-

wesen, die es in Algier je gegeben. Wir erinnern hier nur an die grausame

Behandlung, welche ihm sein Herr, Hassan Dey, widerfahren liefs — er liefs

ihn hungern, aber nicht pfählen, um das Lösegeld für den Gefangenen nicht

zu verlieren — , an seine zahlreichen, sämtlich mifslungenen Fluchtversuche,

und seine Konspirationen, die auf eine allgemeine Sklavenempörung abzielten.

Alles dies wird hier durch manches neue Dokument bestätigt. Die Familie

tat daheim ihr möglichstes, um die Auslösung der gefangenen Söhne zu

erwirken. Die Eltern widmeten diesem Zweck ihre Sparpfennige, die

Schwestern ihre Mitgift. Schon 1576 liefs der Vater eine „Infortuacion"

aufnehmen, worin Augenzeugen bestätigten, wie tapfer seine Söhne bei Lepanto

mitfochten, um auf Grund derselben von dem Supremo Consejo des Königs

einen Beitrag zu dem Lösegelde zu erhalten. Allein dieses erste Schriftstück

ist verloren, und wir besitzen nur eine Ergänzung dieser „Informacion",

welche am 29. November 1576 im Auftrage der genannten Behörde aufgenommen

wurde (I. Bd. Nr. 12). Der darin vernommene Zeuge verwechselt

aber die beiden Brüder Cervantes konsequent, indem er Rodrigo als den

einarmigen bezeichnet. Es scheint auch, dafs dieser Schritt des Vaters keinen

Erfolg hatte. Mehr erwirkte die Mutter, welche sich mit derselben Bitte um

Beitrag zum Lösegelde an den Consejo de cruzada, die oberste Behörde in

Angelegenheiten der Auslösung von Gefangenen, wandte, und sich in ihrer

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