Zeitschrift für romanische Philologie

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DOCUMENTOS CERVANTINOS HASTA AHORA INEDITOS. 369

von welcher dem Cervantes 50 doblas zu gute kamen. Don Inigo de Cärdenas

war der Verwalter dieser Stiftung.

So wurde er denn endlich, wie Pastor feststellt, am 19. Sept. 1580 ausgelöst.

Er hatte seine Befreiung einem blofsen Zufalle zu danken. Schon

safs er nebst anderen Gefangenen in der Galeere, um den von seinem Amte

in Algier abtretenden Hassan Dey nach Konstantinopel zurückzurudern , als

Fr. Juan Gil mit seinem Herrn über seinen Preis einig wurde. Sein Lösegeld

betrug 500 Escudos (ä 151/2 reales) (I. Bd. Nr. 18). Nach dem 12. Oktober

— wohl am 24. — verliefs Cervantes Algier und langte vor Ende November

1580 in Valencia an. Die ausgelösten Gefangenen pflegten das Schiff in

Denia zu verlassen und in feierlicher Prozession, unter Führung der Mönche,

sämtlich barhaupt und mit dem Skapulier des Ordens der Trinitarier bekleidet,

unter Absingung frommer Lieder in Valencia einzuziehen. Erst nach gemeinsam

angehörter Messe trennten sich die durch gleiches Leid so lange ver-

bundenen und kehrten in ihre Heimat zurück. Eine rasch gedruckte „Relacion

de los cautivos rescatados" trug die frohe Botschaft von ihrer Rückkehr in

alle Teile Spaniens. Cervantes war noch vor dem 18. Dez. 1580 daheim in

Madrid in den Armen der Seinen, Diesmal beeilte sich die Mutter (am

9. Febr. 1581; IL Bd. Nr. 22) den Nachweis der Auslösung Miguels zu erbringen.

Cervantes war volle 5 Jahre in der Gefangenschaft gewesen. Wenn

er im Prolog der „Novelas exemplares" von 51/2 Jahren spricht, hat er ein

wenig übertrieben.

Gestützt auf die von Navarrete publizierte „Informacion" von 1590

hatte man bisher angenommen, dafs Cervantes in der Folge die Expedition

nach den Terceras (1581— 83) mitmachte. Dasselbe wird von Lope de Vega,

aber mit nicht viel gröfserer Sicherheit behauptet. Wenn man aber bedenkt,

dafs sich Miguel im Mai 1581 in Geschäften des Königs in Tomar aufhielt,

dafs er Ende Juni desselben Jahres in Carlagena, im Oktober 1583 in Madrid

war, wo er im Auftrage seiner Schwester Magdalena 74^/4 Ellen Taffet an den

Genueser Napoleone Lomelin verpfändete (I. Bd. Nr. 25), während der Marquis

von Santa Cruz nach der Eroberung der Terceras am 15. Sept. 1583 an der

Spitze der Flotte nach Cadix heimkehrte, so ist dies nicht wahrscheinlich.

Sicher ist nur, dafs er Anfangs 1581 in Portugal war, Pastor vermutet daher,

dafs er vielleicht die Absicht hatte, an der Expedition teilzunehmen, dafs ihn

aber seine Einhändigkeit daran verhinderte (?) und dafs man ihn daher zu

unkriegerischen Kommissionen verwendete. Möglicherweise fällt auch seine

vielbesprochene „Gesandtschaft" nach Oran und Mostagan in diese Zeit.

Einige Bemerkungen, welche Cervantes im „Don Quixote" über die

Frauen und das Heiraten macht, scheinen dafür zu sprechen, dafs seine eigene

Ehe eine unglückliche gewesen sei. Das Testament seiner Frau vom 16. Juni

1610, welches Pastor (I. Bd, Nr. 44) publiziert, beweist aber das Gegenteil.

Sie setzt darin ihren Bruder, den Priester Don Francisco de Palacios Salazar

sowie ihren Gatten zu Erben ein, und Miguel erhält aufserdem noch ihr Bett

und ihre Garderobe, und dies „sin que se le pidä quenta al dicho mi marido

por el mucho amor y buena compania que ambos he mos tenido".

Sie überlebte ihn indes um volle 10 Jahre. Wie es scheint, war sie sehr

fromm , denn sie ordnet in ihrem Testament an , dafs alle Geistlichen und

Brüderschaften ihres Geburtsortes Esquivias ihrem Sarge folgen sollen. Die

Zeitschr. f. rom. Phil, XXIX. 24

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