Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ÜOCÜMENTOS CERVANTINOS HASTA AHORA INEDITOS. 37 I

für das Heil ihrer Seele gelesen werden, deren jede mit zwei Realen zu

honorieren sei. Dem Kloster San Basilio zu Madrid vermachte sie aufserdem

800 Dukaten, ihrem Beichtvater ein Reliquienkästchen unter der Bedingung,

dafs er es an das Kopfende seines Bettes stelle, u. a. m. Wir erfahren daraus

ferner, dafs sie ihr Gatte Molina durch unglückliche Spekulationen und Pro-

zesse im Laufe ihrer Ehe um mehr als die Hälfte ihrer Mitgift gebracht hatte.

Immerhin vermacht sie ihm noch 200 Dukaten und mehreres andere, dessen

er jedoch sämtlich verlustig werden solle, wenn er sich einer Anordnung ihres

Testaments widersetze , wie sie überhaupt mit wenig Liebe seiner gedenkt.

Eine gewisse Resignation spricht aus den Worten: „considerando que Dios

N. S. fue servido de darmele en compania" . Nach dem 2. Testament soll

das Totengeleile nur aus 6 Priestern, 18 Franziskanern und den Findelkindern

bestehen. Dafür ist die Zahl der Seelenmessen auf 1000 gestiegen. Weitere

200 sollen den armen Seelen im Fegefeuer zugute kommen. Sie starb, laut

Totenschein (II. Bd. Nr. 103) am 20. Sept. 1652. Ihr Gatte, der wie Cervantes

in Algier gefangen war und 1598 ausgelöst wurde (I. Bd. Nr. 36, 37) scheint

weit weniger fromm gewesen zu sein als sie. In seinem Testament vom

25. Dez. 1631 (I. Bd. Nr. 56) ordnet er nur 5 Seelenmessen an und überläfst

alles weitere Zeremoniell seiner Frau — conto d tau gran cristiana. Er

starb am 23. Jan. 1632.

Grofs ist die Zahl der Akten, in welchen Cervantes als Provisions-Ein-

treiber für die Armada erscheint. In dieser Stellung bezog er zuerst 12,

später nur 10 Realen täglich, von welcher geringen Entlohnung er vielleicht

noch einen Teil seiner Reisespesen begleichen mufste. Es ist bekannt, dafs

er sich- beim Eintreiben von Weizen und Öl, sowie auch bei der Einhebung

rückständiger Abgaben grofse Unannehmlichkeiten zuzog. In Ecija wurde er,

weil er der Kirche gehörigen Weizen mit Beschlag belegte, ohne ihn zuvor

bezahlt zu haben, vom Erzbischof von Sevilla exkommuniziert, und nur das

rasche Eingreifen seines Vorgesetzten verhinderte es, dafs ihm der Prozefs

gemacht wurde. Man machte zu seinen Gunsten geltend, dafs er doch im

Auftrage des Königs gehandelt habe, und dafs die Vorräte für eine Flotte

bestimmt seien, die gegen die Ungläubigen gesandt werden solle. Gelegentlich

der Eintreibung von Steuern in Granada geriet er in den Verdacht der

Unterschlagung und war sogar eine Zeit lang unschuldigerweise in Haft. Die

von P^rez Pastor aus dieser Epoche beigebrachten Dokumente bieten wenig

Interessantes. Es sind trostlose Verrechnungen, welche nur darum zum Ab-

drucke gelangen, weil Cervantes als Organ der Behörde darin genannt wird.

Wir finden es — bei aller Pietät — überflüssig, ganze Bogen mit nichtssagenden

Zahlen und ödem Formelkram vollzudrucken, die dem Leser und

Literarhistoriker nicht das geringste sagen, da sie mit dem Genius des Cer-

vantes gar nichts zu tun haben.

Andere Urkunden aus dieser Zeit zeigen ihn als Schuldner eines Stoff-

händlers für bunten Sersche (IL Bd. Nr. 58, 70) und eines Zuckerbäckers für

Zwieback (IL Bd. Nr. 71) — aber nur ein einziges Mal als Gläubiger. Am

10. Febr. 1599 bestätigt er von D. Juan de Cervantes in Sevilla 90 Dukaten

zurückerhalten zu haben, die er ihm einst geliehen hatte (II. Bd. Nr. 72).

Wie fürsorglich er auf seinen Reisen seiner in Madrid gebliebenen Angehörigen

gedachte, zeigen die Schriftstücke, in welchen er seiner Frau und seiner

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