Zeitschrift für romanische Philologie

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372 BESPRECHUNGEN. W. VON WÜRZBACH,

Schwester Forderungen übeiweist (II. Bd. Nr. 51, 52, ex 1590). Seine Mutter

mufs zwischen dem 15. Sept. und dem 9. Nov. 1593 gestorben sein, denn an

letzterem Tage vermietet Da. Magdalena die Wohnung, welche sie früher mit

ihr zusammen innehatte, weiter, da sie sie allein nicht benötigt (I. Bd. Nr. 28

bis 30).

Im Jahre 1609 verlor Cervantes seine Lieblingsschwester Andrea. Über

ihre Persönlichkeit geben die „Documentos" manchen neuen Aufschlufs. Sie

soll dreimal verheiratet gewesen sein, ehe sie als Witwe mit ihrer Tochter

Constanza in das Haus des Cervantes zog; das erstemal angeblich mit dem

Vater des Mädchens, Nicolas de Ovando (1569 oder 1570), dann mit einem

de Figueroa, und schliefslich mit dem Florentiner Santes Ambrosi (zwischen

1577 und 1604). Doch fehlen bis jetzt die Bescheinigungen dieser Ehe-

schliefsungen sowie die Totenscheine ihrer drei Gatten sämtlich. Erhalten

sind dagegen eine Schenkungsurkunde, worin ihr Juan Francisco Locadelo aus

Dankbarkeit dafür, dafs sie ihn in einer Krankheit gepflegt habe, am 9. Juni

1568, 300 Escudos de oro an oro sowie eine Menge von Wertgegenständen

als Donatio propter nuptias schenkt (I. Bd. Nr. 3), sowie ein Kaufvertrag vom

Jahre 1571, worin sie dem Don Alonso Portocarrero , einem Sohne des Be-

fehlshabers von Goletta, ein goldenes Collier und andere Preziosen für den

Betrag von 500 Dukaten verkauft (II. Bd. Nr. 8). D. Alonso scheint dieselben

seiner Braut geschenkt zu haben, den Kaufpreis hatte er aber 1575 noch

nicht bezahlt. Auch Portocarrero spricht von der „mucha obligacion e

cargos", welche er Andrea gegenüber habe. Andrea hatte jedoch zur selben

Zeit (1571) auch einen Prozefs mit dem Bruder dieses Edelmannes, D. Pedro

Portocarrero, der ihr gleichfalls Geld schuldig war. Gegen Alonso hatte

gleichzeitig auch die zweite Schwester des Cervantes, Da. Magdalena, eine

Forderung von 500 Dukaten, die 1581 noch nicht getilgt war, und deren

Veranlassung nach allen Konjekturen Pastors noch nicht offen am Tage liegt

(I. Bd. Nr. 5—9, 14). Pastor hat einen ganzen Roman erfunden, um diese

Dunkelheit aufzuhellen. Demzufolge hätte sich der Vater Cervantes an Don

Alonso Portocarrero gewendet, um die Vermittlung von dessen Vater zur

Auslösung seiner beiden in Algier gefangenen Söhne zu erwirken , und sich,

da er taub war, seiner jüngeren Tochter Magdalena als Dolmetsch bedient.

In diese hätte sich D. Alonso dann verliebt — und daher die Geldforderung.

Von all' dem steht nun allerdings kein Wort in den Akten. Tatsache ist

nur, dafs diese Schenkung (es war wohl eine solche) durch Einschiebung von

Mittelspersonen zwischen die Kontrahenten auf das seltsamste maskiert wurde.

Ob Andrea ihre Forderung auch als Dolmetsch ihres tauben Vaters be-

gründete, und woher die beiden Mädchen das Geld hatten, ist nicht zu

ersehen. Aus verschiedenen Dokumenten (II. Bd. Nr. 12, 73; I. Bd. Nr. 27)

geht hervor, dafs Andrea in den Jahren 1577, 1587 und 1599, sowie auch

zu anderen Zeiten allein lebte. Sie schreibt sich mit einer einzigen Ausnahme

I. Bd. Nr. 4) stets „de Ovando". Als sie jedoch am 12. Okt. 1576 zum

Curator ad litem ihrer unmündigen Tochter Constanza de Figueroa ernannt

wird (I. Bd. Nr. 10), wird der Vater des Kindes seltsamerweise nicht namhaft

gemacht, und es wird auch nicht gesagt, um wessen Güter das Kind pro-

zessieren sollte. Da Constanza damals 6 Jahre zählte, war sie 1569 oder

1570 geboren. Wenn sie daher 1605 in der sogen. Ezpeleta-Affaire angibt,

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