Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

378 BESPRECHUNGEN. G. WEIGAND,

rasieren die Bauern die Haare des vorderen Kopfes glatt ab, wie bei Türken

und Tartaren, deshalb sind aber die Rumänen der Marmarosch keine Zigeuner,

und die der Moldau keine Türken oder Tartaren. Trachten und Sitten

wandern wie die Märchen mit Leichtigkeit von einem Volke zum andern.

Dafs auf historischem Wege die Rumänenfrage nicht zu lösen ist, weifs

auch F., er hat sich deshalb auch ziemlich eingehend mit dem linguistischen

Wege befaCst, ist aber da an eine Aufgabe geraten, der er bei weitem nicht

gewachsen war. Er kann nicht Erbwort von Fremdwort unterscheiden (p. 119

Anm. causa, pericol, secret, servitor, daneben nur zwei richtige timp und domn),

freilich nennt er (p. 129) auch Manliu als Autorität „anerkannter Grammatiker"

(der wird sich wohl selber wundern, wie er zu der Ehre kommt); von rum.

Lautlehre hat er keine Ahnung, so soll tntnu atiterius oder antarius sein

p, 136; mic wird aus [xiy.QÖq, mare aus iisycO-öq (sie!) p. 139 abgeleitet;

bocet soll slavisch sein p. iii. Ich glaube diese wenigen Beispiele genügen.

Es wimmelt geradezu von Fehlern und Ungenauigkeit^n im sprachlichen Teile,

p. 83 wird gesagt: „Rumänisch heifst in der Tat: Dakisch + Lateinisch-

Italienisch + Slovenisch + Alt-Neugriechisch -\- Türkisch + Magyarisch." Be-

stimmt denn der Wortschatz den Charakter einer Sprache? Es kann einem

ordentlich leid tun, wenn man sieht, mit welcher Hingebung, mit welchem

Fleifse F. eine riesige Literatur durchgearbeitet hat und seine Excerpte nun

zu verwerten sucht. Aber F. ist kein Sprachforscher, und eines solchen be-

darf es, um diese überaus schwierige Frage zu einem befriedigenden Ende zu

führen. Aber dafür ist die Zeit noch nicht gekommen, es wird noch jahre-

langen Studiums der Balkansprachen bedürfen, um mit Sicherheit diese Frage

zu entscheiden und andere, die damit im Zusammenhange stehen, zu revidieren,

wie z. B. der Ursprung der Albanesen , der durchaus nicht sicher illyrisch ist.

Für F. mag es wenigstens eine Genugtuung sein zu ^vissen, dafs ich mit seinen

SchlufsfolgeruDgen, in der Hauptsache wenigstens, und nach dem heutigen Stande

der Forschung einverstanden bin, wenn ich auch seine Methode nicht billigen

kann, umso weniger als man in Rumänien selbst auf dem besten Wege ist, sich

in mehr objektiver Weise mit der Frage zu beschäftigen, F.'s Buch aber so-

viele Angriffspunkte bietet, dafs es — wenigstens für Rumänen — eher als

ein Hemmnis, als wie eine Förderung zur Erkenntnis der Wahrheit wirken mufs.

G. Weigand.

J. Bianu und N. Hodos, Bibliografia romän6sca veche, B. I 1508 bis

1716, Bukarest 1903, IX -f 572 S., 25 Fr.

Mit Freuden habe ich das Unternehmen der rum. Akademie, eine Biblio-

graphie herauszugeben, begrüfst, und nun, da der erste Band fertig vor mir

liegt, mufs ich gestehen, dafs meine Erwartungen übertroffen sind. Die

äufsere Ausstattung des Werkes ist splendid. Der Druck sowohl in lat. wie

in kyrillischem Alphabet ist scharf und grofs, die Faksimile der Drucke,

Initialen, Titelvignetten, Holzschnitte, die nicht nur ein kunsthistorisches

Interesse bieten, sondern zum Teil sich auch dekorativ sehr gut verwerten

lassen, sind meist recht gelungen, wenn auch manche viel grober ausgefallen

sind, wie im Originale z. B. das Wappen p. 247. Jedenfalls verdient auch

das graphische Institut von Socec volle Anerkennung. Die Herausgeber sind

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