Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

Zur Entwicklung des gottesgerichtlichen Zweikampfs

in Frankreich.

Die Untersuchungen Pfeffer's über die „Formaliiäien des

gottesgerichtlichen Zzveikampfs'^ in Ztschr. f. rom, Phil. Band IX,

geben ein getreues Bild von dieser Sitte, wie sie etwa im XII. Jahrhundert

und den folgenden geübt wurde. Dagegen sind des Ver-

fassers Ansichten über Ursprung und Entwicklung derselben nicht

durchweg haltbar. Der Verfasser führt auf S. 5 und 6 seiner Abhandlung

aus, der gottesgerichtHche Zweikampf sei nicht speziell

germanisch, sondern wir fänden ihn bei allen uns bekannten Völkerstämmen

und er lasse sich wohl auch für die Gallier annehmen.

Das ist für den Zweikampf i. a. zuzugeben, nur nicht für den

gottesgerichtlichen Zweikampf. So schreibt F. Dahn, Studieji

zur Geschichte der gerni. Gottesurtheile (München 1857 S. 52): „Allein

hiergegen mufs einfach erklärt werden, dafs der Kampf ursprünglich

gar kein Gottesurteil, sondern lediglich eine Verweisung der Parteien

auf Selbsthilfe war." Und Amira in Paul's Grdr. der Gerni.

Phil. (Bd. UI. IQOO. S. 219): „Erst von Deutschland aus hat der

Norden das Gottesurteil bezogen . . . Auch bei den Südgermanen

aber waren die Gottesurteile weit weniger im Schwang als gewöhnlich

geglaubt wird. Das ags. Recht z. B. kannte wahrscheinlich

vor dem g. Jahrh. kein Gottesurteil . . . aufser dem Zweikampf,

von dem wir wissen, dafs er ursprünglich weder Gottesurteil

noch überhaupt Beweismittel war."i

Jünger wie der Zweikampf, aber von vornherein beweisend,

sind Gottesgerichte, wie die heidnische Feuerprobe, Kessel-

^ Anders Vorberg, Der Zweikampf in Frankreich (Leipzig 1899) S. 2.

Bei den altgerman. Zweikämpfen hätte die Vorstellung vorgeschwebt: „dafs

die Gottheit den Unschuldigen im Waffengange schützen und den Schuldigen

strafen werde." . . . ,, Solche Zweikämpfe . . . (S. 3) dienten als gerichtlicher

Beweis, eine Eigenschaft, welche sie Jahrhunderte lang behalten sollten." . . .

„Als die germanischen Stämme sich im heutigen Frankreich niederliefsen,

fanden sie dort nichts dem Zweikampf Entsprechendes vor." Welches sind

die Quellen dieser Ansicht? — Züchner, Die KampfSchilderungen etc. I. Der

Zweikampf Diss. Grfsw. 1902 ist lediglich eine nach Nummern geordnete

Sammlung von Beobachtungen aus dem Epos: Welcher Art die Zweikämpfe

sind (ohne Unterschied zwischen kriegerischen und gerichtlichen), welche

Waffen benutzt und welche Ausdrücke für Angriff, Wirkung der Waffen

u. dergl.

Zeitschr. f. rom. Phil. XXIX. 25

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