Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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LEO JORDAN,

probe u. a., und die christliche Abendmahlsprobe, welch

letztere sich unter den IMerowingern besonderer Beliebtheit erfreute.

Es ist aber natürlich, dafs ein solches Beweismittel auf die Dauer

nicht brauchbar war, da es die Schuldfrage stereotyp verneinen

mufste. Denn es wird kaum je ein Schuldiger an der Hostie er-

stickt sein. So hören wir im Jahre 810 von einem Edikte Karls

des Grofsen, das, nach dem erwähnten Rezepte des eisernen

Herrschers in kirchlichen Dingen, den geschwundenen Glauben an

das Gottesurteil durch einen Befehl wieder zu heben versuchte.

(Dahn, op. cit. S. 1137 cf. unten S. 398.)

In diesem Zweifel hegt vielleicht die Ursache, warum man

das Gottesurteil des Mefsopfers dadurch komplizierte, und möghch

machte, dafs man durch einen folgenden Zweikampf der himmlischen

Gerechtigkeit eine Handhabe zum Eingreifen gab, sodafs der Ausgang

des Kampfes nicht eine Strafe für den begangenen Frevel,

sondern für die Entweihung der Hostie wurde. Auf diesen cha-

rakterischen Umstand hat ja auch Pfefüer hingewiesen, und er

könnte ein Beweis sein für den sakralen Ursprung des gottes-

gerichtlichen Zweikampfs, so wie wir ihn im XII. Jahrhundert finden.

I.

Unter den Beispielen aus dem Epos, die Pfeffer beibringt, steht

jedoch eines für sich: Der Zweikampf zwischen Dietrich und Pinabel

im Rolandslied (3734—3974)- Denn während Pfeffer (S. 22 seines

Aufsatzes) zu dem Resultat kommt, dafs eine Stellvertretung beim

Zweikampf nicht ohne besonderen Grund stattfinden dürfe, > findet er

im Rolandslied hierzu einen Widerspruch: (S. 25) „In der Ch. Rol.

tritt Pinabel für Ganelon ein, indem er das Urteil des Tierri verwirft

und dadurch diesen zwingt, mit ihm zu kilmpfen. Wieso

tut dies nicht Ganelon selbst? Der Vorgang wird vom Dichter

als etwas ganz natürliches betrachtet, denn es findet sich auch

nicht die leiseste Andeutung, dafs in ihm etwas Ungewöhnliches,

Ungesetzliches läge."

Ohne Zweifel ist dieser Plaiz Guenelon, der älteste Rechtskampf

aus dem altfranzösischen Epos und man kann daher ohne

weiteres annehmen, dafs wir in ihm eine ursprünglichere Form des

gottesgerichtlichen Zweikampfes zu sehen haben.

Wir wollen ihn deshalb auf seine Unterschiede hin mit den

späteren Kämpfen aufmerksam prüfen. Es bleibt nämlich hier nicht

dabei, dafs der Beschuldigte im Gegensatz zur Sitte der nächsten

Jahrhunderte vertreten wird; sondern, da es ja der unschuldige

Vertreter ist, der die Hostie geniefst, so beleidigt er sie ja auch

nicht, wird er dann besiegt, so kann es auch nicht mehr darum

1 Zu den Beispielen, die er anführt s. Eustache le mo ine Vers 337:

Hainfrois läfst durch 30 Zeugen bestätigen , dafs er älter als 60 Jahre sei und

darf sich deshalb vertreten lassen.

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