Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ENtWICKL. D. GOTTESGERICHTL. ZWEIKAMPFS IN FRANKREICH. 387

sein, weil er das Abendmahl geschändet hat, sondern weil er für

die Sache eines Schuldigen eingetreten ist. So dafs das sakrale

Moment schon einmal keine entscheidende Rolle mehr spielt.

Vorhanden ist es allerdings: Beide Kämpfer beichten, werden

ihrer Sünden ledig gesprochen, hören die Messe und geniefsen

das Abendmahl. Aber es ist hier ein bedeutender Unterschied

mit der späteren Sitte zu bemerken: Weder wiederholen sie vor

dem Allerheiligsten ihre Beteuerungen, noch gibt die Nähe kirchlicher

Gegenstände durch irgend etwas Wunderbares den Schuldigen

kund, noch ist die Ceremonie durch irgend ein kausales Band

überhaupt mit dem ganzen Vorgang verknüpft.

Das Auffallendste ist, dafs die kirchliche Feierlichkeit nicht

an ihrem Platze steht. Während sie vor die Bereitung und Betretung

des Kampfplatzes gehört, folgt sie nicht nur auf diese

Vorgänge, sondern die Helden haben bereits nach Waffen verlangt,

worauf sie, als ob sie es vergessen hätten, den Kampfplatz verlassen,

zur kirchlichen Handlung schreiten, zurückkehren und nun

sich wirklich rüsten:

3857 E puis demandent lur clievals e lur armes

CCLXXXII

Puis que il sunt a bataille (justet)

Bien sunt cunfes e asols e seigniet

Oent lur messes e sunt acuminiet

Mult granz ofrendes metent par (O !) cez mustiers.

Devant Carlun andui sunt repairiet.

Lur esperuns unt en lur piez calciez, . . etc.

Es ist also aus logischen Gründen zweifacher Art geboten,

die ganze Konsakrierung der Kämpfer als spätere, dem XI. Jahrhundert

entsprechende Interpolation anzusehen: Sie steht i. in

keinem kausalen Zusammenhang mit der Handlung, sie unterbricht

2. kausal zusammengehörige, zu unmittelbarer Folge bestimmte

Vorgänge. Die Partie lautete wohl ursprünglich:

3857 E puis demandent lur chevals e lur armes.

CCLXXXII

Puis que il sunt a bataille [jugiet]i

3863 Lur esperuns unt en lur pies calciez

Vestent osbers blans e forz e legiers etc.

Statt der Konsakrierung des Kampfes hat vorher etwas anderes

stattgefunden, das auch im Roland allein dasteht: Eine besondere

Legalisierung des Kampfes unmittelbar nach Betreten des Platzes

und vor dem Rufe nach Waffen:

3853 Puis fait porter .nn. bans en la place,

La vunt sedeir eil quis deivent cumbatre.

^ Man kann den ersten Vers trotz der falschen Assonanz nicht fortlassen,

da er die gewohnte allgemeine Verknüpfung mit dem vorigen bietet.

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