Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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LEO JORDAN,

Bien sunt malet par jugement des altres

Sil purparlat Ogiers de Danemarche,

E puis demandent lur chevals e lur armes.

Im Agolant und im Huon wird das Gottesgericht noch „champ

male" genannt. Der Vorgang der den „Kampf" zu einem solchen

champ ?nale macht ist allein hier angedeutet: Die Kämpfer sitzen

auf den sie abschliefsenden Bänken, der Zuruf ihrer Pers {des

altres) legalisiert den Kampf, den Sprecher macht Ogier. Dafs

hierbei der spätere „Bann" gemeint sei, ist ausgeschlossen, denn

diesen zu erlassen ist das Recht des Gerichtsherrn, der dabei das

jugement des altres nicht braucht. Auch betrifft der Bann die Zu-

schauer, während hier Subjekt des passiven malet: Gl qtäs deivenl

cumhntre sind.

Man sieht auch hier ganz deutlich, dafs es dieses „Mall" ist,

das später durch die Konsakrierung verdrängt wurde und deshalb

gänzlich verschwand.

IL

Dafs diese Schilderung nicht blofs aus Willkührlichkeiten be-

steht, dafs wir in dem Kampfe Tierri-Pinabel wirklich eine ältere

Form des Gottesgerichtes und zwar die spezifisch fränkische haben,

wird durch einen gerichtlichen Kampf aus dem VI. Jahrhundert

bestätigt, der bisher der Aufmerksamkeit entgangen zu sein scheint:

Gregor von Tours berichtet aus dem Jahre 590 (Lib. X. Cap. 10):

Der Custos Silvae habe dem König Guntchramn von Burgund

(561—593) dessen Kämmerer Chundo als Jagdfrevler angegeben.

Wie nun beide vor dem König Anklage und Rechtfertigung vorbringen

und Chundo behauptet, niemals getan zu haben, was ihm

vorgeworfen wird, bestimmt der König den Zweikampf [rex campum

deiudicat). Der Cubicularius gibt seinen Neffen, der diesen Kampf

für ihn ausfechten solle und beide Kämpfer betreten den Wahl-

platz {in campum): Der Knabe wirft seine Lanze gegen den Custos

silvae und durchbohrt ihm den Fufs; der Getroffene fällt rücklings

nieder. Als aber der Knabe sein Kurzschwert {culter) gezogen,

das ihm vom Gürtel herabhing, und er mit ihm den Hals des

Gefangenen durchschneiden wollte, wird er selbst von dem Messer

(des Forstmannes näml.) getroffen und durch den Bauch gestofsen.

Beide fielen und verstarben alsbald. Als dies Chundo sah, flüchtete

er auf die Basilica Sankt Marzellen zu; der König rief, man solle

ihn ergreifen, und ehe er die heilige Schwelle erreicht, war er

bereits gefafst, wurde an einen Pfahl gebunden und gesteinigt

{lapidibus obrutus).

Man sieht im Charakter gleicht dieser Zweikampf aus dem

VI. Jahrhundert noch durchaus dem des IX. oder X. Jahrhunderts,

wie denn überhaupt für die Franken erst das XI. Jahrhundert Romanisierung

und Christianisierung brachte, wofür wir noch im Laufe

dieses Aufsatzes ein charakteristisches Beispiel finden werden: In

;

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