Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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LEO JORDAN,

Deo iudicante confligat: quoniam iustum est, ut si quis veritatem rei in-

cunctanter scire se dixerit, et obtulerit sacramenta, pugnare non dubitet.

Quodsi testis partis eius, quae obtulerit sacramenta, in eo certamine fuerit

superatus, omnes testes (= Ankläger) qui se promiserant juraturos, trecenos

solidos multae nomine, absque ulla induciarum praestatione, cogantur exsolvcre.

Verum, si ille qui renuerit sacramentum (= Angeklagte), fuerit interemptus,

quicquid debebat, de facultatibus eius novigildi solutione pars victoris redda-

tur indempnis, ut veritate potius quam periuriis delectentur.

Dem Angeklagten steht es also frei, das vom Kläger angebotene

eidliche Zeugnis, wie dasjenige seiner Zeugen abzulehnen,

und den Zweikampf anstatt dessen zu verlangen. Denn wenn man

bereit ist zu schwören, begründet das Gesetz, so soll man auch

bereit sein für die Sache mit den Waffen einzutreten. Das Gesetz

gibt also dem bereits durch das Zeugnisverfahren überführten Angeklagten

noch ein Mittel in die Hand, die Anklage zu nichte

zu machen, wenn er ein Mann nach dem Sinne der Germanen ist, d. h.

mit dem Schwerte für sein Recht eintritt.

Über die Form des Zweikampfs, der daraufhin stattzufinden

hat, lehrt uns das Gesetz leider nichts. Aber der Charakter desselben

ist bestimmt. Er hat volle gottesgerichtliche Beweis-

kraft. Je nach seinem Ausgange werden auch die Zeugen bestraft,

welche einen falschen Eid angeboten hatten. Doch werden

sie noch mit einer Geldstrafe belegt, nicht durch Handabschlagen

gebrandmarkt, wie später nach vollzogenem Eide.

Merkwürdigerweise verhält sich eine fast gleichzeitige Verordnung

(ca. 561— 584) zu dem Rechtsbrauch, den diese Verordnung

und Gregors in Abschnitt II geschilderter Zweikampf erschliefsen

lassen, geradezu gegensätzlich. Ein INIerowinger, vielleicht Chilperich,

der gern Neuerungen anbrachte, bemerkt in seinen Zufügungen

zum salischen Gesetz: (Pertz, Blon Germ. IV. Leg. II. S. 13;

2. Aufl. S. 4603 vgl. zu Folgendem die Sammlung bei Dahn

Sludün etc.).

15 De eo qui alterum inputaverit periurasse.

Si quis alterum incul})averit periurasse et ei potucrit adprobare, 15 solid.

conponat qui pcriurat; si tamen non potuerit adprobare, cui crimen dixerit

solidos 15 solvat, et postea si ausus fuerit pugnet.

Sobald also der Kläger seine Anklage nicht beweisen kann,

ist er bereits strafbar. Der Kampf ist ihm als eine Art Genugtuung

anheiragestellt, ohne dafs der Wortlaut es zulicfse in ihm

ein Rechtsmittel anzusehen. Dagegen war der in Abschnitt II dar-

gestellte Kampf ein solches, auch bestimmte ihn der Gerichtsherr,

nicht eine der Parteien. Ein Zweikampf von dem Fredegar

(ca. 624) ungefähr aus derselben Zeit berichtet, bringt ein weiteres

Beispiel der Gregor sehen Art:

Fredegar Buch. IV. Cap. 51.

Die Königin der Langobarden Gundobcrgä hat ein zuvückgewieser Ver-

führer verleumdet. Der König hat sie in einen Turm geworfen, befiehlt

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