Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ENTWICKL. D. GOTTESGERICHT!.. ZWEIKAMPFS IN FRANKREICH. 39 1

aber auf den Rat von Gesandten gottesgericlitliche Entscheidung. Ein

Kämpe tritt für die Unschuldige ein, besiegt und tötet den Verleumder,

Wenn wir es auch hier offenbar mit einem beliebten Novellen-

stoff zu tun haben, den bereits Gaston Paris in der Histoire

Poeiique de Charlemagne unter dem Titel: „L'innocente reine de

France" behandelt hat, und den Pio Rajna in den Origini delr

Epopea Francese mit Heranziehung verwandter Novellenstoffe

(S. 184 ff.) bespricht, so ist dennoch die Form des Gottesgerichtes

als die zeitgenössische anzusehen: Der König bestimmt den

Kampf als entsprechendes Rechtmittel. Woher nun aber die Verschiedenheit

mit der Verfügung De eo etc.? Zeigt diese eine

ältere Stufe, in der der Kampf noch nichts beweisendes hatte?

Aber er ist ja Zeitgenössisch mit Gregor's Erzählung und höchstens

50 Jahre älter als Fredegar's Darstellung? Gregor und Fredegar

berichten jedoch über Kämpfe die an nicht fränkischen Höfen

vor sich gingen, so könnte jene die nordfranzösische Art der

Gesetzgebung anwenden. Doch es wird sich erweisen, und hat

sich durch den Vergleich mit dem Rolandslied schon erwiesen,

dafs auch in Nordfrankreich der Zweikampf als ein Rechtsmittel

ersten Ranges, wenigstens von der germanischen Bevölkerung, angesehen

wurde und als solches bis ins späte IMittelalter blieb;

ein Mittel, das nicht einem bereits Bestraften Genugtuung, sondern

Entscheidung in einer dunkeln Frage bringen sollte. Es scheint

mir deshalb geraten, das angeführte Gesetz als einen mifslungenen

Versuch anzusehen, den Zweikampf in seiner Bedeutung einzuschränken,

indem er ihn von seiner entscheidenden Rolle ab-

setzte. Auch der Charakter des Gesetzes als Novelle zum Salischen

Gesetze zeigt ja doch, dafs etwas Neues, zu diesem Gegensätz-

liches aufgestellt werden sollte, was sich freilich gegen die altgewohnte

Staramessitte nicht hat halten können.

IV.

Auch aus dem frühen IX. Jahrhimdert ist uns die detaillierte

Beschreibung eines gerichtlichen Zweikampfes, der in Gegenwart

Ludwigs des Frommen stattfand, überliefert. Es handelt sich um

die historische Anklage auf Hochverrat gegen Bero oder Bera

den Grafen von Barcelona. Einhard erwähnt Anklage und

Rechtsgang in seinen Annalen (Pertz, Mon Rer. Germ. I. S. 206).

819 Aquasgrani ad hiemandum revertitur.

820 Mense lanuario conventus ibidem habitus . . . In eo conventu Bera,

comes Barcinonae, qui iam diu fraudis et infidelitatis a vicinis suis insimu-

labatur, cum accusatore suo equestri pugna confligere conatus, vincitur.

Cumque, ut reus maiestalis, capitali sententia damnaretur, parsum est ei

misericordia imperatoris, et Ratumagum exilio deportatus est.

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