Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ENTWICKL. D. GOITESGERICHTL. ZWEIKAMPFS IN FRANKREICH. 395

Diese Bare ist also auch hier das Zeichen einer besonders ernsten

Form des Gottesgerichtes, des Kampfs bis zur Kampfunfähigkeit;

oder, — was zur Zeit der Kärlinge hiermit bereits gleichbedeutend

war, — des Kampfes mit scharfen Waffen. In der Einleitung

seiner Darstellung sagt Ermoldus, im Falle der Anklage

auf: „mfideütas"

550 Tunc decet ut bello certet uterque fero.

Hier ist offenbar fero nicht nur ein dichterisches Epitheton zu

bei/um, sondern belliü?i feruni term. techn. für „Kampf bis zur

Unfähigkeit", vgl. die oben angeführten Verse:

Ce senefie et ortjoil e fierte.

V.

Jedenfalls ist es nicht das, was uns Ermoldus mitteilen will,

dafs überhaupt gekämpft wird, sondern dafs in besonderer Weise,

mit scharfen Waffen und bis zur Kampfunfähigkeit gekämpft wird,

wenn infidelitas vorliegt. In allen andern Fällen wird nämlich

nach den karolingischen Kapitularien nur noch mit Stock und

Schild gekämpft, sowohl bei der Anklage auf Diebstahl, als auch

bei irgend einer anderen Anklage, wenn Aussage gegen Aussage

steht. Über die Form des Zweikampfs bei infidelitas besteht offenbar

kein schriftliches Recht; und deswegen ist es, dafs Ermoldus den

herkömmlich fränkischen Gebrauch so breit darstellt. Eine einzige

Stelle aus den Kapitularien, bestätigt uns die Sonderstellung der Infideliias

in indirekter Weise: Pertz, Leg. II, i S. 331 No. 12, anno 825

Quibuscumque per legem propter aliquam contentionem piigna fuerit iudi-

cata, praeter de infidelitate, cum fustibus pugnent, sicut in capitularc

dominico prius constitutum fuit.

Während also im VI. Jahrhundert nur ein Zweikampf, nämlich

der mit tötlichen Waffen, übhch war, scheidet zur Zeit der Kärlinge

der Verrat, das schlimmste Verbrechen aus der Gesamtheit strafbarer

Handlungen aus. Für diesen bleibt als Beweismittel der

altfränkische Zweikampf mit tötUchen Waffen, bei denen Modifikation

je nach Herkunft der Kämpfer möglich ist. Als Symbol

dieses in den Rechtsbüchern nicht direkt erwähnten Zweikampfs

gilt die Totenbare. Dieser Kampf ist es, den im allgemeinen

die Gedichte kopieren. Die von der Zeit der Kärlinge auftretende

Kampfweise mit Stock und Schild (vgl. den Kampf im Macaire)

soll nur Klarheit in die Frage bringen, ohne zugleich Strafe zu

sein; der Schuldige wird denn auch meist mit einer Geldstrafe

belegt. Interessant ist, dafs zu Karls des Grofsen Zeit ein solches

Gottesgericht mit Stockprügeln jedem anderen, ja sogar dem eidlichen

Zeugnis vorgezogen wurde. So kann ein Kläger, der das

Zeugnis von zwölf Personen bei einer Klage auf Viehdiebstahl {de

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