Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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LEO JORDAN,

sonesii) nicht annehmen will, an ein Gottesgericht appellieren Pertz,

Leg. I. S. 117, No. 4, anno 803 (i. Aufl.):

Aut si ille qui causam quaerit, duodecim hominum sacramentiira recipeie

noluerit, aut cruce aut scuto et fuste contra cum decertet.

Noch charkteristischer ist folgendes Gesetz. Mon. Germ. Leg.

II, I. S. 180. No. 3 [Capitulare de Laironibus), anno 804— 13:

Si per sacramentum quis se aedoniare voluerit et fuerit aliquis qui contra

cum contendere vellit, retraat alius manum desuper allare antequam iura-

tores sui iurent, et exeant in campum cum fustibus: et si latro victus fuerit,

conponat omnia undecumque reprobatus factus fuerit, nisi forte eveniat ut

dignus sit morte.

Hier wird der Eid des Angeklagten und seiner Zeugen als

Beweismittel ohne Einschränkung vor dem Kampfe zurückgesetzt.

Bevor noch der Eid geleistet worden ist, solle er die Hand zurückziehen,

damit ihn die Strafe Gottes nicht treffe und ihn kampfunfähig

mache. Seine Strafe wird dann noch im allgemeinen nach

der Höhe des Diebstahls bemessen, ohne dafs die falsche Aussage

bestraft würde. Das Gesetz ist nicht ohne innere Widersprüche:

Es beruht wohl auf einem Grundsatze wie etwa: Einer

Person die man eines Diebstahls bezichtigt, wird es auch, wenn

der Kläger ehrlich war, auf einen Meineid nicht ankommen. —

Aber ein solcher Grundsatz ist in der Rechtsprechung mehr wie

unzulässig, denn er nimmt ohne Weiteres gegen den Angeklagten

Partei. Enthält er doch in seiner Voraussetzung etwas von dem,

was der Beweisgang erst erbringen sollte.

So können wir hier in der Entwicklung des Zeugnisverfahrens

keinen Fortschritt sehen. In der Lex Burgimdiomim (a. 502) durfte

noch der Angeklagte das Zeugnis des Anklägers mitsamt seinen

Zeugen zurückweisen und statt ihres Eides den Zweikampf von

ihnen fordern. Dem mufste nachgegeben werden. „Denn wer

den Eid anbietet, soll auch bereit sein mit den Waffen einzutreten"

(S. 390). Es war also dem Angeklagten ein Spielraum gelassen,

nachdem das Zeugnisverfahren bereits entschieden hatte. — In dem

eben von uns behandelten Gesetze über Anklage auf Diebstahl ist

es gerade umgekehrt: Der Angeklagte hat Zeugen für seine Unschuld.

Das Gesetz hilft dem Kläger, dessen Klage durch das

Zeugnisverfahren bereits abgewiesen war, und gibt ihm noch ein

Mittel in die Hand seine Sache fortzuführen.

Das um 300 Jahre ältere Gesetz derselben Kultur zeigt weit

mehr Humanität. Es geht im Schutze des Angeklagten noch über

das: In dubio pro reo hinaus. Das Kärlingsche Gesetz bleibt

darunter: und stellt den von Schuld bereits gereinigten Angeklagten

noch einmal den Waffen gegenüber. Es darf bei Beobachtung

dieses Charakterzuges nicht zu viel Gewicht darauf

gelegt werden, dafs in alter Zeit nur mit scharfen Waffen in

jüngerer mit Stock und Schild gekämpft wurde, das Gottesgericht

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