Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

WORTGESCHICHTLICHES. 403

ZU nec, wenn es von spätlat. nequus aus alat. tieqiiam stammt, 1 statt

zu erwartendem 7iega ein Fem. neca gebildet wurde, so konnte

noch mit viel mehr Recht eine zu irgend welcher Zeit unter dem

Einflufs von abelha entstandene Umdeutung von bec nur beca lauten.

Die einzige, doch wohl nicht allzu kühne Voraussetzung dieser

Annahme ist, dafs die Umgestaltung erst zu einer Zeit eingetreten

sei, wo c zwischen Vokalen nicht mehr zu g wurde. Ein anderer

Einwand könnte etwa daraus erhoben werden, dafs dieses gallische

Wort sich nur in einem einzigen Dorfe gehalten habe. Man beachte

aber Folgendes. Unter den vielen Hunderten von Vertretern

des lat. apecula, die das Blatt des Atlasses bringt, findet sich ein

einziges Mal bel'u mit Abfall des a in Ariege (791), sonst ist a

stets erhalten. Nur eine grofse zusammenhängende Gruppe in

Creuse, Haute-Vienne, Charente, Dordogne, Correze (nr. 706, 604

—608, 610, 612, 617, 624, 704, 707) zeigt mit b anfangende

Formen und dieses Gebiet ist dasselbe, dem beko angehört. Das

führt nun zu der Annahme, dafs in dem bel'o, beyo dieser Gegend

eine Verschränkung von apecula und ^becos eingetreten ist, die nur

einen weiteren Schritt getan hat, als bei biko, wo die gallische

Form vollständiger erhalten blieb.

Gegen diese Etymologie könnte man nun freilich einwenden,

dafs nach Mistral limous. beco Wespe bedeutet, eine Bedeutung, die

nach A. Thomas Nouv. Essais de philol. frang. 352 auch im Dep.

Creuse vorkommt. In der Tat gibt Gillieron Blatt 672 bcko für

ein zusammenhängendes Gebiet in einem Teile von Haute-Vienne

und Dordogne an, ein Gebiet, das einst gröfser gewesen mufs, da

z. T. wenigstens die umliegenden g§p deutliche Entlehnungen aus

der Schriftsprache sind. Nun decken sich die Territorien von beko

'Wespe' und bel'o 'Biene' zum gröfsten Teil, wenn auch, was man

ja gar nicht erwarten kann, nicht vollständig, so dafs man wiederum

den Zusammenhang der a- losen Form von apicla mit beko sieht.

Anzunehmen, dafs nach beko 'Wespe' erst bei'a statt abet a gesprochen

worden sei, ist wenig wahrscheinlich, vgl. span. avispa

nach abeja, sard. espe nach abe, dagegen bewegt sich die Auffassung,

dafs das fremde, das gallische Wort dazu gekommen sei, das minderwertige

Tier, zunächst vielleicht die wilde Biene, dann die Wespe

zu bezeichnen, durchaus innerhalb dessen, was zu beobachten wir

ja oft genug Gelegenheit haben. Übrigens ist in Monistroi d'Allier

H.-Loire biya für 'Wespe' gebräuchlich und mus a myau für 'Biene'

eingetreten, während in S. Dizier, wo beko 'Biene' bedeutet, geipo

für 'Wespe' gesagt wird.

Dafs dieses b^ko mit romg. bek 'Seidenraupe' und der ganzen

1 Eine andere Deutung des Wortes ist mir nicht bekannt, da die Annalime

von Diez, es handle sich nm eine Entlehnung aus span. niego, natürlich

hinfällig ist. Die Zusammenstellung mit fiequum, Lilbl. 1884, 186 und

unabhängig davon von Flechia Arch. glott. Nlll 2,-]i gegeben, fehlt bei

Körting.

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