Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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W. MEYER-LUBKE,

damit zusammenhängenden Sippe nichts zu tun hat, zeigt die

Bedeutung und zeigt die Form, vgl. Flechia Arc/i. glott. II 3g flf.,

wo diese Sippe mit Recht auf bonibax {ßoijßv^) zurückgeführt wird.

Nordfranz. Jiiir, zentralfrz. lüryo 'Widder'.

Aus drei Dörfern im Departement Cotes-du-Nord verzeichnet

der Sprachatlas hur (482, 493, 494), aus einem vierten (481) hurd^

für 'Widder'. Die Weiterbildung, in der man nicht gerade einen

Einflufs von b^/ür zu sehen braucht, da dieses in der Umgegend

fehlt, zeigt deutlich, dafs zunächst von kuri oder hurd auszugehen

ist. Das // scheint auf den ersten Blick auf germanischen Ur-

sprung, die geographische Verbreitung auf normannischen zu weisen.

Und in der Tat bietet sich begrifflich ohne weiteres altnord. hrü/r

'Widder'. Auch die Umstellung des r macht um so weniger

Schwierigkeit als ja /ir eine unromanische Lautgruppe ist. Auffällig

bleibt aber die Wiedergabe von anord. ü durch norm. //, wenn

man norm. Mne 'tete, partie supcrieure de la cloche par la quelle

eile est suspendue' direkt zu altnord. hümi 'Mastkorb' stellt, wie

Joret Patois de Bessin S. 1 1 5 tut, und wenn man Ortsnamen wie

Etamhüs aus steinhüs und die andern auf hü(s) aus anord. hüs und

die auf bü aus anord. bü vergleicht, die Joret De l'extension et des

caractcres du patois Normand 7 1 und 43 beibringt. INIan kann

namentlich aus den Ortsnamen mit ziemlicher Sicherheit schliefsen,

dafs normannisches ü so behandelt wird wie lat. ü, und vielleicht

kann man daraus gewisse Schlüsse für die Geschichte des ü aus u

ziehen. Läfst sich also diese Tatsache nicht in Abrede stellen, so

wird man trotzdem eine sonst nach jeder Seite hin so untadelhafte

Zusammenstellung wie die von hur und hrüir nicht ohne

weiteres ablehnen wollen, sondern für die besondere Behandlung

auch eine besondere Erklärung suchen. Da zeitlich verschiedene

Aufnahme vom historischen Standpunkte aus schwer anzunehmen

ist, kann man in der besonderen lautlichen Gestalt den Grund

finden: die Umstellung von rü zu ur und die Lautgruppe rt

konnte um so eher eine quantitative und qualitative Umgestaltung

von u zu II nach sich ziehen, weil urt eine in romanischem IMunde

unbekannte, ^ri eine öfter vorkommende Gruppe ist. Nicht un-

interessant ist zu bemerken, dafs das norm, hrütr fast unmittelbar

an fränk. rarn 'Widder' grenzt, das heute in den Departement

Marche, Seine-Inferieur, Somme, Pas-de-Calais und noch z. T. in

Nord und im Norden von Aisne vorkommt. Wenn die Continuilät

des röw-Gebietes in Calvados und Eure durch b/e (belin) unterbrochen

wird, so liegt wohl eine jüngere Invasion eines Wortes

vor, das übrigens ja auch germanischen Urspnmgs ist.

Lautlich näher als diese liegt eine andere Deutung. Man

könnte von hurde ausgehend darin den in der Hürde eingeschlossenen

sehen, hur{d) als Rückbildung betrachten. Aber begrifflich

steht einer solchen Auffassung entgegen, dafs von den

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