Zeitschrift für romanische Philologie

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WORTGESCHICHTLICHES. 405

recht manigfaltigen Ersatzwörtern für aries, die die Karte aufweist,

auch nicht einem eine derartige Anschauung zu Grunde liegt. Ich

halte es für eines der grofsen Verdienste des Gillieronschen Atlasses,

dafs durch die Masse von verschiedenen Formen, die auf ver-

hältnismäfsig kleinem Räume übersichtlich zusammengestellt sind,

man ein deutliches Bild von den Grundanschauungen bekommt,

die für die Bennenung der Sachbegriffe mafsgebend sind. Gar

vieles, was sich uns Städtern und Gelehrten als sehr wohl denkbar

und möglich darstellt, das erscheint dem, der tagtäglich mit den

Sachen zu tun hat, nicht als charakteristische Eigenschaft, weil es

sich eben nicht so darstellt, wie wir vielleicht glauben möchten.

Gerade die Tatsache, dafs bei ganz verschiedener materieller Grundlage

die begriffliche die nämliche ist, weist daraufhin, dafs wir, wo

uns so reiches Material geboten ist, in der Annahme einer nur

einmal vorkommenden Bedeutungsbasis ebenso skeptisch sein müssen,

wie bei einer Basis, deren Entwicklung lautlich der Parallelen ent-

behrt.

Und doch ist auch die erste Zusammenstellung kaum richtig.

Geographisch und lautlich näher liegt nämlich arem. turz, körn. Jwrd,

kymr. hivrdd. Das / der aremorischen Form ist sekundär, vielleicht,

wie Henry will, aus mauturz (*multo aries) herübergezogen,

übrigens gibt Lhuyd Arch. Britan. unter aries als arem. auch urz

an. Die Frage gestaltet sich also so: ist das brittannische Wort

aus dem Französischen oder aus dem Germanischen entlehnt oder

ist es einheimisch? Die erste Frage wird man ohne weiteres verneinen,

da es sich ja nicht um eine auf die Bretagne beschränkte

Form handelt, die zweite wohl ebenfalls, da man dann hrVär auch

im Englischen finden müfste, aufserdem das kymr. dd auffällig

wäre, da altes rt in den brittannischen Sprachen zu rth wird.

Man wird somit ein brittann. Jiord- 'Widder' anzusetzen haben,

das zu einer Zeit wo d nach r noch Verschlufslaut war, in das

Westfranzösische gedrungen ist. Dafs es sich nicht um eine

gallische Entlehnung handelt, erweist das h, da brittann. hord- im

Gallischen surdos lauten würde. Die Aufnahme des Wortes ins

Französische fällt danach nach dem Wandel vom s zu h, aber vor

den von rd zu rdh^ rz, d. h., wenn die diesbezüglichen Angaben

von Loth, Les mots latins dans les langues britt. S. 82 ff. richtig

sind, etwa ins VI. VII. Jahrh.

Es mag aber doch noch wenigstens die Frage aufgeworfen

werden, ob das germ. hrUts in einer gotischen, burgundischen

oder fränkischen Form nicht in einem andern französischen Worte

stecke. Durch ganz Mittelfrankreich zieht oder zog sich von Ost

nach West eine Form, die in zentralfranzösischer Gestalt lureau

lauten würde: sie beginnt im Departement Saone-et-Loire, Coted'Or

und Vienne, wird dann durch helier verdrängt um in Morbihan

wieder zu erscheinen. Wenn man auch auf andern Blättern des

Atlasses konstatieren kann, wie mächtig die Wörter und Formen

der Schriftsprache überall eindringen, wird man nicht zögern, das

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