Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

WORTGESCHICHTLICHES. 4O7

zösischen ratn, Jiurd , lureaii nebst bok in Ostfrankreich, welch

letzteres auch in Graubünden erscheint, manche etymologisch un-

klare wie das in Südfwestfrankreich auftretende tnarroft u. s. w.

Bei den Neubenennungen spielt selbstverständlich die Zeugungsfähigkeit

eine Hauptrolle: nnäun eniyer in den Alpen zeigt wohl

den Weg, auf welchem mouton zur Bedeutung 'Widder' gelangt;

greno in Saone-et-Loire, moulon a grames in AUier dürfte 'der mit

Hoden versehene sein', vgl. gre?ioiies 'Hoden' (Zs. XXVI 1 10), semena

in Dordogne ist wohl der 'Säer' und so wird man auch in kulye

(Lot) den 'Hodenträger' sehen, nicht den mit einem collier versehenen.

Ein Problem, das ich nur aufwerfen, nicht lösen kann,

bietet belier und die Koseform belin. Die übliche Herleitung als

'Glockenträger', also als Leiter wird bestätigt durch viutu per segre

(Aveyron), inenadu (Bouches-de-Rhone) u. dgl. Aber ist der Widder

als Leiter der Herde denkbar? Wir sagen im Deutschen 'Leithammel'

und es scheint naturgemäfs und ist jedenfalls bei andern

Tieren und nach dem deutschen Ausdruck zu schliefsen auch in

deutschen Gegenden bei den Schafen üblich, dafs das Zuchttier

nicht frei herum oder gar an der Spitze einer Herde von Weibchen

geht sondern abgesondert gehalten wird. Ist das nun anderswo

anders."* — Auch die Frage wie der Schafhirt benannt wird, bedarf

einer entsprechenden Untersuchuchung: berger setzt vervex als

'Schaf voraus, vgl. ital. pecorajo zu pecora, rum. oier zu oaie, span.

ovejero zu oveja u. s. w. Danach mufs vervex schon 'Schaf bedeutet

haben, als die Bildung vervecarius noch möglich war, d. h. bevor

die Palatalisierung von c vor e in Nordfrankreich allzu weite Fortschritte

gemacht hatte. Übrigens setzt ja auch vcrvella Schäfchen,

das zwar nicht im Romanischen wohl aber in ngriech. ßtQßeXid

Mist von Ziegen oder Schafen (G. Meyer Indog. Forsch. 111 05,

Ngriech. Stud. III 13) weiterlebt, ein vervex für 'Schaf voraus.

Franz. jade.

D. Behrens möchte in franz. jade 'Nierenstein' eine volkstüm-

liche Form von lat. jaspide sehen, Zs. f. frz. Spr. und Litt. XXIIP 37.

Das scheint mir weder sachlich noch lautlich annehmbar. Sachlich,

weil der Jaspis zwar dem gelehrten IMittelalter und dem kirchlichen

bekannt war, da er auf der einen Seite in IMarbods Steinbuch, auf

der andern Seite unter den Steinen auf dem Brusttuch Aarons

Exodus XXVIII, 17 ff. genannt ist, sonst aber als ein fremder und

seltener Stein sich schon im VII. Jahrh. in GaUien nicht so allgemeiner

Verbreitung erfreuen konnte, dafs die Umgestaltung zu

jade erfolgt wäre. Lautlich, weil ein altfranz. jade jenes lange

a besessen hätte, das auch spätere Schrift durch as oder ä wiedergegeben

hätte und weil vor allem boite aus buxida, flaislre aus

flaccidus, moiste aus muccidiis^ zeigen, dafs jaspide zu jaste"^ ge-

1 Tobleis so ansprechende Deutung von viste aus vegetus (Berliner

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine