Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

410

W. MEYER-LÜBKE,

Bildungen, so dafs wohl der erhobene Einwand in seiner Gültigkeit

bedeutend abgeschwächt wird.

Noch sei der Möglichkeit einer andern Auffassung des on ge-

dacht. Begrifflich fast noch näher liegt die Annahme von uttguen

oder unctum : ungificäre oder unctificare, wie denn auch Boerio

unctu-foedare ansetzt. Allein eine Synkope des / in dieser Gruppe

zw v ist

noch dazu vor dem Wandel von zwischenvokalischem f

gegen den Charakter des Venezianischen oder gar des Uritalienischen,

wogegen olef zu olf schon in sehr alter Zeit nicht auffälliger ist

als etwa frz. chauffer aus calfore, lat. olfacere aus okfacere. —

Friaul. onfegä erweist sich durch sein g als Lehnwort aus dem

Venezianischen, vgl. Arch. Glott. I, 522.

Ostfranz. ^>rtJie 'kehren', j>«^löi' 'Besen'.

Die Geschichte von pinna und pannus nach all ihren manigfaltigen

Seiten hin zu verfolgen bleibt auch nach den Anfängen

Zs. XXV 403, den sich z. T. damit deckenden Ausführungen D'Ovidios

Zs. XXVIIl 535 ff. und den sie fürs Rumänische erweiternden von

Puscariu eb. 682 ff. ein dankenswertes Unternehmen. Hier sei auf

eine Gruppe hingewiesen, die meines Wissens bisher nicht behandelt

worden ist. Horning hat im Glossar zu den Grenzdialekten

pane 'kehren', panur 'Besen' verzeichnet, heute läfst sich an band

von Blatt 107 und 17g des Sprachatlasses feststellen, dafs das

Gebiet der zwei Wörter das Vogesendepartement ist mit der Einschränkung,

dafs im Nordosten handle, im Nordwesten halir und

die entsprechenden Substantive eingedrungen sind. Dagegen haben

pajte, panur die politische Grenze nicht überschritten. Überblicken

wir die verschiedenen Bezeichnungen für 'Besen' und 'kehren',

so fällt sofort auf, dafs, wo nicht zwei ganz verschiedene Wörter

gewählt werden wie z. B. znae {genit) und neii {netloyer) lle de

Serk, das Verbum stets vom Substantivum abgeleitet ist, also wie

bahn balayer so eskubo eskubar (Bouches-de-Rhöne), ratnö ramone

(Nord), re räme (Cute-d'Or), ramae [ramalid) ramayir (Savoye),

ramas (ramacea) ram'as^ (H.-Saone, Doubs, Jura, Freiburg, Neuenburg,

Waat, Genf, Haute-Savoie, Savoie und noch etwas westlich

und südlich in schön umgrenztem Gebiete). Das Umgekehrte ist

selten: das loth. hädler neben hädle scheint sekundär zu sein, zese

in Corrcze (609) macht den Eindruck einer postverbalen Bildung

zu dem Vertreter von agencer, der in Charente-Inferieure, Deux-

Sevres, Vienne, Charente, Haute-Vienne für balayer eintritt, allerdings

gerade in Sei'lhac durch bweysa {^buisser) ersetzt ist, und

ashhnbra in den Ost-Pyrenäen, das zu katal. escombra und zu

valenz. escombrall hinüberführt, ist offenbar postverbal zu asku?nbra{r),

ital. sgomberare. Auf die Vogesenwörter übertragen wird sich also

die Frage so stellen: ist *pinnare oder *pinnaioria das Ursprüngliche?

Die Frage ist um so schwerer zu beantworten, weil Form

und Bedeutung mit einander in Widerspruch zu stehen scheinen.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine