Zeitschrift für romanische Philologie

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414 F- SETTEGAST,

ersichtlich, wie der Kopist dazu kommen konnte, den Ausdruck

danes in danne zu verwandeln.

Ich wage daher eine Vermutung, die, wenn sie auch vielleicht

nicht weniger kühn ist als diejenige P. Meyer's, doch an andern

Umständen, die in beiden Gedichten nach Armenien weisen, eine

Stütze erhält. Ich nehme nämUch an, dafs der unkenntlich gewordene

Buchstabe ein h ist und schlage vor, zu lesen „Hermin"

oder, vielleicht besser, „Hermen" (d. h. „Armenier"), Augier aber

= Abgar (Prokop: ÄvyaQOi:^ zu setzen, was ja lautUch gar keine

Schwierigkeiten macht, Beuve also als Sohn des armenischen

Herrschers Abgar aufzufassen,! was allerdings, wenn man Beuve

mit Ardasches identifiziert (s. Quellenstudien S. 351 — 52), der Ge-

schichte nicht entspricht, die Ardasches nicht als Sohn Abgaj's,

sondern des Nachfolgers desselben, Sanadrug's, kennt. Der Schreiber

wird an der armenischen Herkunft Beuve's Anstofs genommen und

daher das „Hermin (-en)" der Vorlage verunstaltet haben. Sehen

wir von dem ersten Buchstaben ab, so würde er aus „ermen" der

Vorlage „anne" gemacht haben, was paläographisch sehr nahe

liegt, da e mit folgendem r leicht als a gelesen, das

stehende „amen*- aber durch „anne" ersetzt werden

dann ent-

konnte. —

Was die von mir angesetzte Form Hermen betrifft, so bietet m,

W, die dem lat. Armenius, griech. u4Qfiirtog entsprechende galloroman.

Form sonst stets ein i in der zweiten Silbe: prov. Ermini

(s. Levy, Supplementwörterbuch, s. v.), afrz. Hermin, Ermin, aber

man kann vielleicht annehmen, dafs eine solche Form mit e auf

dem Persischen beruht, denn wie ich Saint-Martin's „Mcmoires

historiques et geographiques sur l'Armenie", I, 2, Paris 18 18— 19

entnehme, nennen die Perser die Armenier Armen; auch ist wohl

zu beachten, dafs der Name Erimena, den im „Daurel" die Tochter

des Emirs von Babylon trägt (derselbe entspricht im wesentlichen

dem König Hermin des „Beuve") ebenfalls dies e aufweist.^

2. Wie ich in den „Quellenstudien" (S. 366) den Namen des

Helden Beuve (Bove) mit dem armenischen Fürstennamen Bab in

Verbindung gebracht habe, so möchte ich hier auch den Namen

seines Sohnes, Beton, auf eine armenische Quelle zurückführen.

Ich vermute nämlich, dafs hier ursprünglich der ein armenisches

Fürstengeschlecht bezeichnende patronymische Ausdruck Bagratuni,

d, h. Nachkomme das Bagrat oder Bagarat (mit anderer Aussprache

Pakarat) vorHegt.3 Ich nehme an, dafs der armenische Ausdruck

1 Von demselben Namen Abgar stammen vielleicht zwei andere, die sich

in der „Mort Aimeri" und der „Ch. d'Antioche" finden: Auquaire und

Angobier, vgl. „Quellenstudien" 376 und 375 Anm. 2.

» Diese eigentümliche Namensform Erimena erinnert so stark an diejenige,

womit im Zend (s. Saint-Marün a. a. O.) das Land Armenien bezeichnet

wird, nämlich Eeriemeno (-a), dafs man sich versucht fühlt, zwischen beiden

einen Zusammenhang anzunehmen.

3 Über die Bagratunier oder (mit Einsetzung einer griechischen Endung

an Stelle der armenischen) Bagiatiden, die, nahe verwandt mit dem alten

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