Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

452 VERMISCHTES. ZUR WORTGESCHICHTE.

Lat. seinen im Bask.

Bask. seme „Sohn" läfst an lat. semen denken, das ja ebenfalls

in der Bed. „Spröfsling" vorkommt, und dieser Gedanke ist auch,

ich entsinne mich augenblicklich nicht wo und von wem, ausgesprochen

worden. Nun hat zwar der Baske mit vollen Händen

aus Latein und Romanisch geschöpft, für die Verwandtschafts-

verhältnisse aber die altüberlieferten Bezeichnungen beibehalten.

Somit bedarf jene Herleitung der Stützen. Als eine solche erachtete

ich früher kymr. p/an/, ir. c/and „Kinder", „Nachkommenschaft",

als man dies noch für ein Lehnwort aus dem Lat., nämlich

\ plania hielt (s. Rhys Lectures on Welsh philology i 1877 S. 373).

Mit besserem Rechte denke ich nun mich auf bask. soriu „aufgegangen"

(von Keimen; auch von der Sonne) und „geboren" berufen

zu dürfen; denn die erstere Bedeuturg ist sicherlich die ur-

sprüngliche und Zusammenhang mit dem roman. ^sortire auch nicht

zu leugnen ({ sortum ire; vgl. siisum ire \ neap. sosire und sösere,

kal. susire und siisire, siz. siisiri, nicht sowohl „hinaufsteigen"

als „aufstehen", bes. aus dem Bett; s. Rleyer-Lübke Rom. Gr. II,

§ 573» wo der Stern vor susire wegzufallen hat). Die in meinen

Augen entscheidende Begründung für bask. seme \ lat. semeti wird

mir jedoch erst jetzt durch Cornu gegeben, der mich auf altport.

sejnel „männliche Nachkommenschaft" hinweist. Im Elucidario II, 3 1

wird aus einer Urk. von iigi angeführt: „mancando semel no

postrimeiro Padrom", und in dem Rev. Lus. VIII, 82 ft. abgedruckten

Testament Alfons' II. von

dem Thronerben: „e ssi

12 14 heifst es,

este for morto

gleich im Eingang,

sen setnmel". Das

von

lat.

Wort ist erst durch das Christentum auf der iberischen Halbinsel

eingebürgert worden; man denke an biblische Ausdrücke wie

sti?ien Abrahae, semen David, vor allem „non reliquerunt semen et

mortui sunt". ^^ ^

H. SchuckARDT.

Altprov. dolsa.

A. Thomas sagt in seinen Nouveaux Essais de phil. fran^.

S. 245: „Quelle est Tetymologie de do/sa} Je ne m'arrete pas

au grec ööXixog ,long' mis cn avant par Mistral." Zunächst heifst

„lang" öohxog, nicht öoXixog (wie S. 365 wiederholt ist), und sodann

bezieht sich Mistral weder auf dieses, noch ein andres

griechisches Wort, sondern auf lat. dolichus, und das bedeutet eine

Art Bohne. Allerdings ist dies Wort (es findet sich bei Plinius)

aus dem Griechischen übernommen, wo es ööliyog betont wird,

und die neuere Botanik hat es für eine Gattung (Fasel, Ileilbohne)

aus der Familie der Leguminosen verwendet. Ich vermute dafs

es aus irgend einer orientalischen Sprache stammt und sich an

das griechische Wort für „lang" nur angelehnt hat. Es wäre nun

1

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine