Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

P. KRETSCHMER, ITAL. MOLO. 457

drei Schwierigkeiten entgegen. Wir erwarten für lat. d geschlossenes

im Italienischen, das erste o von molo ist aber offen. Befremdlich

ist zweitens die Endung it. -o für lat. -es und drittens, was

damit zusammenhängt, die Verschiedenheit des Genus, lat. Fem.:

it. jMasc. Alle drei Schwierigkeiten werden mit einem Schlage beseitigt

durch folgende Beobachtung.

Das Wort besteht auch im Neugriechischen — 6 fioXog Somavera,

Legrand, ^vXXoyoq VIII 422 v. ig, lesb. mölus, dazu das

Verbum noXcövo) 'errichte einen Damm' — und wird von G. Meyer

Ngr, Stud. IV 53 sowie Hesseling Les mots maritimes S. 23 aus it.

molo hergeleitet. Aber so nahe diese Annahme auch liegt, i.st sie

dennoch falsch. Meyer führt die Pifiäöa jitgl BeXiOagiov ed.

Wagner v. 143 (t6 (x6Xo ntr.) als ältesten Beleg an, das Wort begegnet

aber im Griechischen schon weit früher, schon im 6. Jahrhundert.

Prokop De aedificiis IV 10 (III p. 300, 20 ff. Bonn) führt

es als architektonischen Terminus an: jtQoc ds y.cä rrjV txari-

Qmd^L Tov lö&i.iov di'.Xaööav jrgoßoXovg nxTyjväiitvoi ßQayjlq

Tfc xal (pavlovg, ovöjhq y.aXtlv rtrofiiyMOi ficbXovg; p. 33?, 20 f.:

jiQoßolovg . . . ovg ^(bkovq y.aXovüir. Der Cod. Justinianus

X 30, 4 {(icoXcav xaxaöXBVTjv) setzt den Ausdruck als bekannt

voraus. Später wird wiederholt eh\ ^öJXoq (fiöXoc) rov Evrgojiiov

bei Chalkedon genannt: Chron. Paschale p. 696, 19. Leon

Gramm, p. 144,5. Georg. Kedren p. 711, 14. Ein Epigramm der

Anthologie IX 670 hat die Überschrift: 'Ei> ^fiVQvr, elq f/cöXov

Ttj d^aXäxrr] tjrixiiifievov. Weitere Zeugnisse bei Sophocles Lex.

u. limXoQ. Aus diesem Sachverhalt folgt, dafs die Griechen nicht

erst it. molo, sondern schon lat. ?ndles entlehnt haben. Dafs sie

dabei die Endung -es in -oc umwandelten, ist eine Freiheit, wie sie

sie ähnHch auch bei andern Entlehnungen aus dem Lateinischen

übten, z.B. eB,af^toi% 'i^ccfiog, a|a,MO^ = lat. f.vJ/w« (nach G.Meyer

Ngr. Stud. III 10 wäre das Nomen von k^afioco = exatfil/io ausgegangen),

xovcjcog = cuspis (Meyer a. a. O. 36); g)ä(ixo(; =

fascis, öeysöTQOV = segeslre, IlQail^BOTGV — Prneueste, elöoi

= t'düs, s. Eckinger, Orthographie lat. Wörter in griech. Inschriften

S. 134. Mit dem Ersatz der Endung -es durch -og war natürlich

der Übergang in maskulines Genus verbunden. — Für das geschlossene

lat. ö gab es im Griechischen keinen genau entsprechenden

Ersatz, da gr. o, co offene o-Laute waren, wie sie es noch heute

sind. Lat. ö wird daher in Lehnwörtern entweder durch ov = ü

ersetzt, so in der von mir Byz. Zeitschr. X 585 behandelten Endung

-ovvoi>, -ovvi = lat. -önem : öajtovvc

= sapo, xdgßovvo,

xaQßovvc = carbo, in XovQOV = lörum, (povQfta = forma,

xovQxa = cörtem, öxovjia — scöpa — oder das offene o, co

tritt für das geschlossene lat. ö ein: pont. xaQßcöviV, Xcogi

neben XovQi, xovövcoöia neben xovörovöia u. s. w. So ist

auch mdles teils durch fiwXog (floXog), teils durch (lOvXog

wiedergegeben, letztere Form bei Theophanes (8. Jahrh.) 295, 8;

436, 17 (vgl. de BoorIl76i).

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