Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

CEÜVRES COMPLfeTES DE EUSTACHE DESCHAMPS. 46 1

Schon in der Biograpliie, in welcher die beiden Arbeiten notwendig am

meisten zusammengehen, kommt die Verschiedenheit der Gesichtspunkte zur

Geltung: in gröfserer Breite als R. habe ich den historischen Rahmen gestaltet,

innerhalb dessen sich D.'s Leben bewegt, und sein Verhältnis zu den Zeit-

genossen in der Lebensskizze dargelegt; R. dagegen trennt beides und kann

erst am Schlufs seines Werkes, wo er eine Auswahl historischer und kultur-

geschichtlicher Bemerkungen aus D.'s Gedichten zusammenstellt, ausführlicher

die Stellung behandeln, die D. den bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit

gegenüber einnimmt. In reichlichem Mafse hat aber R. das urkundliche

Material , dafs ihm handschriftlich in Paris zur Verfügung stand , in der Bio-

graphie D.'s verwerten können, und so ist, wie ich selbst angedeutet hatte,

manche meiner Angaben berichtigt, ergänzt oder bestätigt worden. Ich weise

hier zunächst auf diese Ergänzungen hin

Wenn ich die Beendigung der juristischen Studien D.'s auf 1367 ge-

setzt hatte, so erfährt diese Angabe eine gewisse Bestätigung insofern, als

nach Prieur {Revue des Etudes historiques 1901 , p. 519) im Jahre 1367 D.

a\% jure du comte de Vertus angeführt ist (Rayn. p. 13, Anm. 5). — D.'s Be-

zeichnung als baüli de Valois im Jahre 1375 (Anfang März) entscheidet in

bejahendem Sinne die Mangels Materials von mir unentschieden gelassene

Frage, ob diese Ernennung schon durch Philipp von Orleans erfolgt ist. — In

das Jahr 1379 fällt eine mir nicht bekannt gewordene Reise Karls V, in die

Herrschaft von Coucy, und dabei ist wohl eine Ballade zum Preise dieses

Gebietes entstanden, wie ich schon vermutet hatte (H. p. Ill); die Bezeichnung

//' hons Roys spricht ganz für Karl V. (vgl. H., p. 98 Anm. 2). In dasselbe

Jahr 1379 läfst sich D.'s Schreiben an die Parlaraentsadvokaten in Paris ver-

legen, das ich nur allgemein als vor 1383 geschrieben ansetzen konnte; in

jenem Jahre wütete eine Seuche in Isle-de-France, so dafs nach einer Urkunde

le Farletnent faillit le VIII« j'our de septemhre (R. .p. 28); darauf spielt D.

möglicherweise an. — Während des Einfalls der Engländer in Frankreich im

Jahre 1380 ist D. im Heere des Herzogs von Burgund (R., p. 30 Anm. 2),

ein weiterer Beleg für die Beziehungen zwischen dem Herzoge und dem Dichter

(H. p. 80). — D.'s Besichtigungsreise der pikardischen Festungen, die ich

nach Tarb6 auf 1387 angesetzt hatte (s. H., p. 72 Anm. 2 und 3), fällt nach

R. (p. 42 Anm. 4) in das Frühjahr von 1384; im folgenden Winter 1384 auf

1385 hätte D.'s Reise nach Ungarn stattgehabt; trotz der von R. gegebenen

Gründe kann ich mich von der Wirklichkeit dieser Reise nicht überzeugen und

glaube die Frage offen lassen zu müssen , solange nicht ein urkundliches

Zeugnis dafür nachgewiesen ist. — Eine königliche Verordnung von 1388 be-

schränkt die Zahl der hinssürs d'armes auf acht; ob D., wie R. ohne Zögern

annimmt, damals von dieser Mafsregel getroffen wird, bleibt zweifelhaft; die

Berufung auf 28 Dienstjahre läfst das Datum als verfrüht erscheinen; aufserdem

führt er den Titel noch 1404.^ Immerhin aber wage ich selbst es nicht

mehr, am Datum 1396, das ich dafür angenommen hatte, festzuhalten; auch

hier, wie so oft, müssen wir vorläufig auf eine sichere Datierung verzichten.

^ D. nennt sich unter den acht ihres Amtes enthobenen huissiers ( VIII

resirains)\ die kgl. Verordnung beläfst aber acht im Amte; es kann also aus

D.'s Angabe kein Schlufs gezogen werden.

:

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine