Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

484 BESPRECHUNGEN. H, SCKNEEGANS,

aufserordentlich häufig. Dafs schon in verhältnismäfsig früher Zeit die latei-

nische Form sich geändert hatte, sehen wir an Namen wie Mercomadegum,

das aus 8go, Paradtgum , das aus 961 belegt ist. "Wie verhält es sich aber

dann mit Namen wie Maximatico aus II53 und Padrtnaticutn aus 1292?

Sind das latinisierte Formen? Wie lautet der Ort heutzutage? Warum haben

wir ein Casadici neben einem Casatico, ein Massatico, Molinatico neben einem

Palzadego'i Das sind alles wichtige Fragen, die hätten erörtert werden

müssen. Der Verfasser begnügt sich aber damit in alphabetischer Reihenfolge

die Ortsnamen bald in lateinischer bald in italienischer Form auf einander

folgen zu lassen; er trennt die Ortsnamen nur in drei Gruppen, jenachdem

sie von Sachbezeichnungen, von Personennamen oder von andern Ortsnamen

abgeleitet werden. Bei Sachbezeichnungen hätte er aber gewifs aus seinem

Stoif viel mehr machen können, wenn er auch von sachlichen Gesichtspunkten

bei der Einteilung ausgegangen wäre.

Wie eine Ortsnamenuntersuchung vorgenommen werden soll, könnte Z.

aus der unmittelbar auf seine Arbeit folgenden Untersuchung von Dante

Olivieri lernen. Die Studi sulla toponomastica veneta dieses Ver-

fassers, welche den gröfsten Teil des Bandes (p. 49—216) ausfüllen, sind eine

recht gelungene Leistung. In seiner von Crescini angeregten und von Sal-

vioni unterstützten Arbeit hat Olivieri besonders eingehend die veronesische

Provinz auf Ortsnamen hin untersucht. Zunächst wird die benutzte Literatur

sehr sorgfältig angeführt. Dann wird die Frage der vorromanischen Spuren

in den Ortsnamen untersucht. Recht interessant ist, dafs die im ligurischen

Gebiet so häufig vorkommenden, mit dem Suffix -asco gebildeten Namen im

venetianischen Gebiet vollständig fehlen; sehr häufig sind dagegen die gallischen

Suffixe auf -aco und -ico, ebenso die von vielen als etruskisch angesehenen

-eno, -ena. Keltischen Stamm erkennt O. nur in grava Sand und mara Sumpf,

aus denen mehrere Ortsnamen gebildet sind. In einem ersten Kapitel be-

handelt O. die von Personennamen abgeleiteten Ortsnamen. In sehr schöner

Ordnung, die von dem bunten Durcheinander Z.'s wohltuend absticht, gibt O.

zuerst den mutmafslichen Personennamen an, welcher den Stamm des Orts-

namens bildet, dann den oder die betreffenden Ortsnamen mit der Provinz,

zu denen er oder sie gehören, und unter steter Angabe der Quellen, namentlich

für die in älterer Zeit belegten. Der Personenname ist entweder beinahe

unverändert zum Ortsnamen geworden, oder es ist der Ortsname vom Personennamen

durch Suffix abgeleitet worden. Die am häufigsten vorkommenden

Suffixe sind -äno, -ese, -igo, -dgo, -igo, auch manchmal -e'go, -dso, -ena. Im

Gegensatz zu Schneller, der das Suffix -dgo aus -ATICU, -aego abgeleitet

annahm , hält O. dieses Suffix ebenso wie -7go für keltisch, -aticu- ist da-

gegen volkstümlich zu -ego geworden. Die älteren Stufen finden sich noch

in Formen wie Veratica, Moradega, Vülaiga, Salvaighe. Nur hie und da

käme — so meint O. — auch ein aus -atico, durch die Zwischenstufe -aego

hindurchgegangenes -dgo vor. Sein Standpunkt kommt hier freilich nicht

sehr klar zur Geltung. Auf ladinische Namen beschränkt, die in der Provinz

Treviso, Belluno und Udine vorkommen, ist das Suffix -dso aus -ACUS acs.

Nachdem O. zuerst die von lateinischen Personennamen abgeleiteten Ortsnamen

behandelt hat, geht er zu den — sehr wenig zahlreichen — von jüdischen,

griechischen und dann sehr häufigen von germanischen Personennamen ab-

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