Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

ZEITSCHRIFT FÜR FRANZÖSISCHE SPRACHE UND LITTERATUR. 493

gab. Diese Form des Urtextes sei vielleicht gewesen: La coche est si polie

et droite, Qu'an la coche sa7iz demaiider etc. Die, wie C. zeigt, für Chrestien

nicht auffällige Wiederholung von coche habe den Schreiber von x (Arche-

typen) veranlafst zu ändern, und da er für einen füllenden Ersatz von an la.

coche in Verlegenheit war, so ersetzte er la coche im Hauptsatze, und zwar

durch das in S + /:? erhaltene que, wodurch der Vers zu kurz wurde, weshalb

a^ wieder änderte tmd das inhaltlich unangebrachte Mes einführte. Die

Möglichkeit dieser Entwicklung kann nicht bestritten werden, aber irgend-

welche Gewähr, dafs sie stattgefunden habe, scheint mir nicht vorhanden.

Zunächst kann doch auch ein Dichter wie Chrestien sich gelegentlich eine

weniger klare Gedankenfolge leisten, jedenfalls wird man unerheblichen

Mangel an Klarheit nicht als ausreichend erachten dürfen, um von der durch

die Hss. gebotenen Grundlage abzuweichen. Und unerheblich scheint mir

schlimmsten Falles der Mangel hier. Einmal ist nicht durchaus erforderlich,

dafs der mit mes eingeführte Gedanke in einem Gegensatze zu dem Voraus-

gegangenen stehe, vgl. Wehrmann, Roman. Stud. V, 427 f. (der z.B. anführt

Rol. 2100: Li quens Rollanz gentement se cumbat. Mais le cors ad tressuet

e muH ehalt) imd bei Chrestien: Cliges, tant co?t lui plot et sist, D'avoir et

de conpaignons prist ; Mes a oes le stien cors demainne Quatre chevaus

divers an mainne. Clig. 4285. — Mes or se vofit aparcevant Que par un

seul ont tuit este Desconftt et desbarete ; Mes chascun jor se desfigure Et

de cheval et d'armeure ib. 4887. — Et la dame toz les semont Et frie

qii'ancontre lui •voisent; Mes il ne tansent ne ne noisent, Que de faire sa

volentc Estoient tuit antalante. Chlyon 2326. — Mes de ce se mervoille tote

Comant ce li est avenu Que si Va trove povre et nu. Mont s'a/7 saingne et

mout s'an mervoille. Mes ne le lote ne n'esvoille ib. 2914. — Dafs ferner

mit ele hinter Äles die coche gemeint sei, ist freilich auf den ersten Augenblick

nicht klar, unterliegt aber nach Anhören des ganzen Satzes keinem Zweifel,

und C. selbst gibt in der Anm. S. 151 Belege dafür, dafs das Subst., auf das

ein Personalpron. sich bezieht, erst hinter ihm, im darauffolgenden Satze,

ausgesprochen wird, Dafs der Dichter sich so ausgedrückt haben könnte,

wie jetzt im Foersterschen Texte steht, hat man also, scheint mir, keinen hin-

länglichen Grund zu bezweifeln. Andrerseits wird nicht jeder mit Cohn für

glaublich halten, dafs der Schreiber des Archetypons an der Wiederholung

von coche, die doch für Chrestien — und nicht blofs für diesen — unanstöfsig

war, so starken Anstofs genommen habe, dafs er änderte, und selbst wer

dieser Vermutung Glaubeu schenkt, braucht nicht zu glauben, dafs der

Schreiber, in Verlegenheit um einen Ersatz für das zweite, ihm Anstofs er-

regende coche, das erste ausgemerzt habe. Was wäre einfacher gewesen, als

statt an la coche zu schreiben: an HP (vgl. Cohns Anm. zu Cliges 1257).

Dafs der Vers auf diese Weise um eine Silbe zu kiirz geworden wäre [Que

an li sanz demander) , hätte den Schreiber des Archetypons nicht abgehalten,

denn der nach Cohn von ihm geänderte Vers hat ja bei der Änderung

ebenfalls sein richtiges Mafs eingebüfst, da er lautet (mit S + ß): Que si est

polie et droite. — Cliges 658 zieht C. heran, um folgenden Fall zu erweisen:

der Wortlaut von S + ^, mit dem zur Not auszukommen sei, sei in «^ durch

eine Art Lesart vertreten, die den in S + /? fehlenden reichen Reim erzielt

habe, gedanklich aber nicht annehmbar sei. a"^ könne auch hier den aus

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