Zeitschrift für romanische Philologie

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494 BESPRECHUNGEN. ALFRED SCHÜLTZE,

S -\- ß abgeänderten Text darstellen. Der von Liebespein gequälte Alixandre

wagt nicht, sich dem Arzte, der allein ihm helfen könne (der Roredamors),

anzuvertrauen: Des qtie primes cest mal santi, Se mostrer Vosasse ne dire,

Poisse je parier au mire, Qui del tot me po'ist eidier. Mes mout m'est

gries a apleidier; Espoir rCi deigneroit antandre Ne nulloiier rCan voldroit

prandre. Foerster liest jetzt mit C. apleidier „ansprechen", während er in

den beiden früheren Ausgaben AB folgend emplaidier in den Text gesetzt

hatte. Dieses verwirft er zu Guill. d'Angl. 2334, seiner Bedeutung wegen —

nach C.s Meinung mit Recht. P liest acointier (M fehlt), während STR

essaier aufweisen. Die Version dieser letzteren [Mes trop m'est grief a essaier)

hat nach Cohn dem Schreiber von «^ vorgelegen, der essaier, um reichen

Reim zu erzielen — unbekümmert um Bedeutung — in emplaidier korrigierte,

das seinerseits von P wieder in acointier geändert wurde. Die Handschrift C,

die sonst mit ß geht, habe hier offenbar mit apleidier eine Entlehnung aus

«2 vorgenommen. Ich gestehe hier nicht folgen zu können. Ein irgendwie

zwingender Anlafs zur Annahme dieser Entwicklung scheint mir nicht vorzu-

hegen, oder doch nur dann, wenn man von der Cohnschen These, die es doch

erst zu beweisen gilt, bereits überzeugt ist. Zunächst kann ich nicht zugeben,

dafs Foerster mit Recht die Lesart von AB: emplaidier der Bedeutung dieses

Verbs wegen verworfen habe; mir scheint im Gegenteil emplaidier nicht blofs

die beste der überlieferten Lesungen, sondern auch die durch den Zusammen-

hang mit solcher Deutlichkeit geforderte, dafs diese Stelle sehr zu gunsten

von A spricht. Der Vers 660: ne nul loiier n'an voudroit prandre verlangt

mit Entschiedenheit — sonst hat er keinen Sinn — als Reimwort von 658

ein Verb mit der Bedeutung: (den Arzt) zu Rate ziehen, denn das ist es,

wofür ein Arzt Entgelt nimmt. Nun hat emplaidier neben seiner besonders

oft zu belegenden (vgl. Godefroy) Bedeutung: „in einen Prozefs verwickeln"

auch die weitere ,,in eine Unterredung, Verhandlung ziehen", wie aus seiner

Bildung {emplaidier = mettre en plait wie etwa enterrer = mettre en terre)

von vornherein mit Sicherheit zu erwarten ist, da plait nicht blofs einen ge-

richtlichen Handel, sondern auch eine Verhandlung, Unterredung bezeichnen

kann. So: Et li vasles le prent a enplaidier. „Sire", dist il, etc. Toblers

Mitt. 170, 31. — Ainc de la mort son pere ne le vaut enplaidier. Aiol "975.

— Gachet zitiert: Et li träitres Vemprent a emplaidier (Aubery le Bourg.

p. 76). Freilich verschliefst auch Cohn sich der Erkenntnis nicht, dafs einem

offenbaren Fehler von S-|-^:? gegenüber «^ zuweilen das Richtige aufweist.

Doch handle es sich da um Nachlässigkeiten und Irrtümer in S + /^, die ein

aufmerksamer Schreiber, wie der von a*, leicht bessern konnte, so dafs denn

der Wortlaut des Urtextes nicht auf geradem Wege nach a* gelangt sei. Ich

lasse dahingestellt, ob diese Annahme auch für das eben erörterte Beispiel

angängig ist — mir will es nicht scheinen — , und möchte nur bemerken, dafs

die Stelle, die Cohn zur Illustration solcher von a^ korrigierten Nachlässig-

keiten anführt, auch anders aufgefafst werden kann. Z. 56 liest Foerster mit

APB (=«2): (Die beiden Söhne des Kaisers waren so verschiedenen Alters)

Que li Premiers se li pliiust, Pöist Chevaliers devenir. Et tot Vanpire main-

tenir. S hat statt tot Vanpire — tot le roiaume und damit eine Silbe zu

viel, TRC lesen ebenfalls roiaume, aber ohne tot. Doch müsse tot — wie

das Zusammengehen von «^ und S bezeuge — ursprünglich sein. Anpire

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