Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

REVUE DE PHILOLOGIE FRAN^AISE ET DE LITTERATURE. 507

das ist naiiirlich, da die Dichtung sich hier von 1859 bis 1870 ganz und gar

in den Dienst der politischen Entwicklung des Landes gestellt hatte. Als

politische Dichter knüpfen Carducci und Cavallotti an die Chätiments an,

ersterer weit selbständiger als letzterer. Von den Prosaschriften wirkten die

Miserables und L'homme qui rit gewaltig, aber nicht sowohl als Vorbilder

für literarische Nachahmungen, unter denen etwa die Romane Maslrianis zu

nennen wären, sondern auf die sozialen Anschauungen und die politische

Phraseologie.

Der Schlufs der Abhandlung stellt noch fest, dafs Victor Hugo seit 1870

last gar keinen Einflufs mehr auf die italienische Literatur geübt hat. Das

ist kein Wunder. Des Dichters unklare Ideen widersprechen dem italienischen

Geiste zu sehr. In die Tiefe ist die Wirkung Hugos auf Italien überhaupt

nie gegangen.

Die anziehend geschriebene Studie enthällt auch eine eingehende Kritik

vieler der Schöpfungen Hugos vom heutigen Standpunkte aus und läfst manche

italienischen Kritiker aus der Zeit des Erscheinens der einzelnen Werke zu

Worte kommen.

Berthold Wiese.

Revue de philologie franeaise et de litterature. Tome XVIH. (1904).

Heft I , S, I und H. 3—4, S. 212. Vignon, Les patois de la region

lyonnaise, 12. und 1 3. Fortsetzung, behandelt les (Akk. PI.), Mask. imd Fem.

Besonders in der letzten Fortsetzung erfüllt mit Befriedigung, dafs Vignon,

früher fast nur darauf bedacht, die Formen zu registrieren, die ihm die Kor-

respondenten für die Pronomina angeben, jetzt tiefer dringt, und sich zu

wissenschaftlicher Auffassung durchringt, indem er den Lautbestand andrer

Wörter zur Erklärung heranzieht, wo das Pronomen aufhört, durchsichtig zu

sein. — S. 46. Yvon, Le mot „indefini". Der recht dankenswerte Beitrag

zur Geschichte der grammatischen Terminologie verfolgt die Schicksale der

Bezeichnung indefini für die Zeitform {passe i.) , Artikel, Pronomen und Ad-

jektiv. Besonders der erste Abschnitt zeigt uns wieder so recht, welches

Unheil durch die gedankenlose Adoptierung fremder Bezeichnungen in der

grammatischen Betrachtung einreifst. Da die ersten franz. Grammatiker in

ihrer Muttersprache eine historische Zeitform mehr vorfanden, als im Lat. vor-

handen waren , so bezeichneten sie sie mit indefini als Übersetzung des

griechischen uoQiOXOq und nannten im Gegensatz dazu die andere defini.

Doch war die mit indef. oder def. bezeichnete Zeit je nach den Beispielen,

die sie zufällig vor Augen hatten und der wechselnden syntaktischen Auf-

fassung, die sie mit dem Wort verbanden, bald das einfache Präteritum, bald

das zusammengesetzte Perfekt, bis sich schliefslich die heutige Verteilung festsetzte,

die jedenfalls sehr wenig den griechischen Verhältnissen entspricht. —

S. 68. Bourciez, Sur V etymologie de „biais", sucht das von ihm früher

gegebene Etymon bifarius nach der semantischen Seite hin zu stützen. —

S. 69. L. C, Qui viveP sieht in einer Stelle aus einer Farce eine Bestätigung

für die früher von ihm vorgebrachte Deutung („vive quiP" „quel est votre

vivatF"). — Rezensionen. Baldensperger: Söderhjelm, Kultur för-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine