Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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A. HORNING,

Seite zu umschliefsen, in ambire das Bestreben zum Ausdruck

kommt (der Bedeutung von amb- [= ambo, uterque] entsprechend),

das Objekt von einem gegebenen Punkte aus nach

beiden Seiten zu umfassen. Doch braucht (und dies ist wesentlich)

die Umfassung nicht vollständig zu sein: die Hinter-, resp. Rückseite

des Objektes kann frei bleiben, z. B. ocreae crura ambiunt

(die ocreae waren hinten offen), Nicephorius amnis partem murorum

amb it. Tritt vollständige Umschliefsung ein, so geschieht dies

mehr zufällig dadurch, dafs die von rechts und links ausgehende

Bewegung so lange fortgesetzt wird, bis der Kreis sich schliefst.

Was von ambire gilt, gilt natürlich auch von ambitus. Auf

Grund jener Definition ist die Zurückführung von andavi ,enjambee',

,quantum quis spatii divaricatis cruribus dimetitur' auf ambitus

gerechtfertigt: gemeint ist nicht ein von allen Seiten umschlossener

Raum, sondern die Strecke, welche die nach rechts und links

ausgreifenden Beine umfassen. Die Deutung des prov. anvan , Erker,

Vorsprung an einem Hause' aus ambitus wird erläutert durch

die Stelle ,planitiem crepido (Rand, gemauerter Vorsprung) ambit':

von einer vollständigen Umspannung kann hier nicht die Rede

sein, da sich ein Berg im Rücken der Ebene befindet. Ebensowenig

ist bei prov. a7ide , place, marge', it. andare ,marciapiedi', für

welche gleichfalls ambitus als Etymon in Vorschlag gebracht wird,

an eine völlige Einschliefsung zu denken, vielmehr an die Bedeutung

,Rand, Einfassung'.

I. Andain,

An der Spitze der Untersuchung über andain mögen folgende

den Etudes pour servir d un Glossaire Etymologique du Patois

Picard von Jouancoux und Devauchelle (1880) entnommene pikar-

dische Formen stehen: Infin. ander ,mesurer par pas'; — andain

,pas, espace compris entre les deux jambes dans le mouvement de

la marche',1 — andä (= petit espace de temps), j"y serai en deux

andks\ Fast Gleichlautendes gibt Ledieu, Patois Picard de Dcmuin

(1893): ander v. a. ,mesurer en comptant les pas que l'on fait en

marchant'; andain m. »enjambee, pas que l'on fait pour mesurer';

ajidee s. f. ,j'y serai en deux andces' (je franchirai la distance en

deux pas). 2 Damit stimmt die Stelle bei Du Gange v. 2. andena

überein: ,Gallis andaiti tantum spatii est quantum quis divaricatis

cruribus dimetiatur', was La Monnoye (1700) übersetzt: , espace

que contiennent en large les deux jambes ccarquillces' (s. Roman.

1, c. S. 454). Ander, andain, andie setzen ein im Romanischen

erhaltenes (s. weiter unten) Primitivum aride voraus, das auf ambitus

führt. Für die Bedeutungsentwicklung ist die Stelle bei

» S. V. endain gibt Jouancoux das Wort (freilich nur aus einer Ortschaft)

auch in der Bedeutung ,tlendue que le faucheur peut faucher de pas en pas'.

* Corblet hat endain ,enjambee, espace de pas qui sert ä mesurer'.

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