Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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A. HORNING,

andatih ra. (im Queyras, s. Chabrand und Rochas d'Aiglun);

lyon. atidam, Inf. andagni; savoy. endenyi ,andain' (Dict. Savoyard

V. Constantin und Desormaux); piem, andanha ,falciata di fieno'

(Roman. XIX, 633), friaul. antagn weisen auf -aneus, -a. Man

vergleiche im Queyras castagri, cougn (coin pour fendre). In Lyon

wird -anus j ä; wahrscheinlich gibt dort -aneus /"; vgl. in Puit-

spelu's Phonetique S. XLIII luin (longe), suin (somnium), juin

(unctum).i Belege für norditalien. Bildungen auf -anea finden

sich bei Salvioni, Studi di Filolog. Romanza VII, 277 (z. B. longagjiay-

Unklar ist das in weitverbreitetem öndain, ondaine,^ nordital.

ondana (bei Monti), friaul. oniagn. Die Annahme einer Beeinflussung

durch onde (so G. Paris) befriedigt wenig, wie Scttegast mit Recht

bemerkt, da 07ide kein Wort der Bauernsprache ist. Da und dort

(z. B. in Magny-Danigon) mag lautgesetzliche Trübung von an zu

071 vorliegen. Vielleicht ist auch die doppelte Labialis 4 mit im

Spiele. Die Frage bedarf weiterer Aufhellung.

Gegen die Annahme von G. Paris, andain sei indaginem,

sprechen folgende Erwägungen:

I. Vortoniges in- müfste in dem Worte gemeinromanisch zu

an geworden sein. G. P. meint zwar ,in initial se changeait volontiers

en an dcja en latin vulgaire'. Tatsächlich läfst sich jedoch

für einen solchen Wandel nicht ein Beispiel anführen. Auch nahm

Paris seine Behauptung Roman. XIX, 633 zum Teil wieder zurück.

Sogar für andotälle { inductilem findet sich neben an en und in.^

Sp. andidlo ist nach P. selbst von Hause aus dem Spanischen fremd.

Ital. Vandoglia, Vanciide steht nach Meyer- Lübke für la ^ndoglia,

la 'ncude, u. s. w. Der beispiellose Wandel von vi zu an müfste

für andain irgendwie gerechtfertigt werden: mau sieht nicht, welches

andere Wort auf indaginem hätte einwirken können. Andain

zeigt im Romanischen durchweg ««-, auch im Pikardischen und

Lyonesischen (vgl. sfli = sentier, vßi = venger), die an und in auseinander

halten. Nur lothr. fda; {fdi) ist auffällig, wenn man sä/e

(chanter) vergleicht.'' Doch ist die lautliche Grundlage in beiden

verschieden; vielleicht findet f-dce darin seine Erklärung, dafs es

ursprünglich Proparoxytonon war. In Lothringen scheinen die

Proparoxytona mit doppeltem Labial -f- Dental eine eigene

1 hyou. ferain ,pain blanc qiii n'est pas cependant le pain de luxe' ist

wohl *farraneus.

2 Diese Bildungen sind unten im 4. Abschnitt noch einmal besprochen.

3 Z. B. Gloss. de l'Ile d'Elle, Rev. de Philol. fran?. et proven9. III, 104;

im Bas-Gälinais , ib. VII, 115; imBessin, Mem. de la Soc. de Lin