Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

522 A. HORNING,

zänener, anc. namur. desa7idencr ,d6faire les andains', bei Body

dizdner, Lobet disaanler,^ morv. (s. Chambure) däandener [desajidetiou,

-ouse) schliefsen indaginem aus,2 weil dies, sowie provain fast

überall provignfr, nicht proviner ergab, zu cmdaignier, nicht zu

aiidener geworden wäre.^

6. Nicht minder schwerwiegende Bedenken erheben sich gegen

die Bedeutungsentwicklung, die G. Paris für unser Wort voraussetzt.

Kommt andain von indaginem, so erwartet man vor allem es

für ,Spur, Aufspüren, Fährte des Jägers' gebraucht zu finden: doch

ist dies nicht der Fall. Die Reihe ,chemin etroit, file' aus ursprünglichem

,piste, trace' ist rein hypothetisch. Nimmt Paris einerseits

für andain Bedeutungen in Anspruch, die nicht nachweisbar

sind, so sträubt er sich anderseits dagegen, solche Bedeutungen

anzuerkennen, die ihm unzweifelhaft eignen; er läfst sich sogar

dazu hinreifsen, die Überlieferung zu verdächtigen und ihr Gewalt

anzutun. Andaiyi soll eigentlich nur der Weg sein ,que se fraye

un faucheur en fauchant droit devant lui'. Er will nichts wissen

von den Bedeutungen , fauchee d'un seul coup, ctendue qu'un

faucheur peut couper ä chaque pas qu'il avance' und besonders

nichts von ,pas, enjambce.* Er bemerkt zu diesen in zahlreichen

Patoiswörterbüchern wiederkehrenden Angaben: ,tous ces temoignages

paraissent copics les uns sur les autres (S. 454); on serait

tente de les rdvoquer en doute et de les regarder comme remontant

tous ä celui de Denis Thierry qui aurait fabriquc ce sens

sur la pretendue ctymologie 6!a7idare^\ nur die Tatsache, dafs es

wenigstens einen Beleg für andain \ enjambee im Altfrz. gibt, hält

ihn von dieser Annahme zurück. Trotzdem hält er die Bedeutung

enjamhee für postcrieure, er spricht von einer Entgleisung (une

dcviation) und gibt die wunderliche Erklärung: ,le faucheur qui

fait son andain proccdant par grandes enjambees, le mot andain a

peu ä peu servi a dcsigner ces enjambees elles-mcmes'. Einer

Widerlegung bedarf es hier nicht mehr; dafs enjamhee die erste

ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist, ergibt sich mit Sicherheit

aus den obigen Ausführungen. Das Paris'sche Etymon erklärt

1 S. Body, Vocabul. des Agricult., Bullet. S. L. L. W„ 2^ S6r., T. VII;

— disaanler scheint aus disandler entstanden zu sein (vgl. oben wall, andli

, andain ').

2 Auffällig ist dzagner in Malm6dy (bei Villers, Dict. Wall.-Fian?. in

Bullet. S. L. L., 6e ann6e, 1863): setzt man -aginem voraus, so würde man

Jzagni (aus dzagnier erwarten); — and^ne mag zu ägner geworden sein wie

nach Body ad'nen (ardennais) zu ägneu.

5 Bei Jaubert:^r^M^«Mr(rj, preugner, bei Thibaut, Gl. Blaisois: proigner,

provingner, in der französ. Schweiz provahi, provitlüra (Ztschr. XXVI. 165);

nur Laianne gibt auch prouiner neben prebagnai und mit Suffi-xwechsel prouaille

r. Lyones. pröva ,sarment couch6 en terre pour former un nouveau cep' scheint

Neubildung nach provain.

* Die Gewährsmänner sagen einmütig aus, der andain habe eine bestimmte

Breite. Wodurch sollte diese Breite bedingt sein, wenn man indaginem

als Substrat betrachtet?

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