Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

530 A. HORNING,

Dies führt zu einer weiteren, wichtigen Bedeutung von ande,

nämlich ,elan' (s. Mistral; Boucoiran kennt a7ide nur = aide, essor,

elan, entrain) ; davon läfst sich nicht trennen piemont (s. ZalH) andi

,mossa, avviamento', de ji'andi ,z.vviäxe, dar avviamento', desse d'andi

,se mettre en train'; davon der Infin. andie,'^ anandü ,dar mossa,

incomminciare'; auch iy. pie) pü Varidi ,prendre l'elan', püsse d'a.

jfarsi indietro per saltar meglio, prendre son elan*, endlich slan-

dihse = ,desse d'andi, pie d'a'.

Und so gibt es denn 'ein proveng. Verbum midä das geradezu

, laufen' bedeutet; s. Mistral s. v. wo auf landa, anda, landea, lartdra

,decamper, courir precipitamment' verwiesen ist {prendre son ilan,

du chatnp hat wohl zu courir geführt). Gleichen Ursprungs ist der

wichtige savoyische Infinit, andd ,marcher vivement', Imperat. dnda

,prenez votre elan'. Im Dictionn. Savoyard v. Constantin und

Desormaux wird betont, dafs das Verbum blofs im Infinit, und

Imperat. und nur in einzelnen Ortschaften neben dem vollständig

flektierten aller vorkomme.^ Auch ein Substantiv. ä?ida gibt es

,prenyi vtronn anda\ ,prenez votre elan'; in ä Panda , vivement'

liegt die Verbindung vor, die prov. alandar ins Leben rief.

Ableitungen zu landd, landrd in beiden Bedeutungen ßdner

und courir sind (nach IMistral): lando ,course, escapade, coureuse,

fille dissipee', ein Postverbal, das den Schlüssel zur Deutung der-

jenigen Ausdrücke gibt, für welche Diez I v. landa Etyma vorschlägt,

die nicht annehmbar erscheinen; landü, -lero ,coureur'; landaire,

-raire ,coureur, batteur de pave, faineant'; la}idriti ,bon marcheur',^

und in Zusammensetzung mit 7nal, derart, dafs dies seine volle

Berechtigung hat, malandrin , Bummler, Stromer, Tagedieb, Land-

streicher, Strafsenräuber'. Das eigentlich provenz. Wort-* ist in

andere Sprachen übergegangen ; & das Italienische und Spanische

kennen wohl andarin, aber nicht andrin. Ferner prov. andrinaire

,qui faineante', landrineja ,faineanter'; landreja ,fläner', landrejaire

,flaneur'; landroiino ,terme injurieux'; landoro , batteur de pavc,

faineant'.

Mit lando identisch ist piem. (s. Zalli) slandra {slandrassa, slandrind),

donna da poco, meretrice, coureuse; ^ die letzte Bedeutung

ist die ursprüngliche, daraus ,lüderliches Frauenzimmer' in allen

möglichen Spielarten; slandra in aria slandra ,garbo da poltrone*,

1 Wohl eine späte Bildung, da man sonst andi erwarten würde.

2 Dafs alä in Savoyen überall gebraucht wird, bezeugt Düret, Gramm.

Savoyarde (ed. Koschwitz) S. 44.

3 Prov. ßandrin ,lambin, paresseux' ist vielleicht eine Kreuzung von

landrin und Jlaner.

* Dazu noch malandro , mar- ,maladie de langueur', malandran ,lourdaud,

malotru', malandreja ,trainer une exislence maladive', malandrous.

* Span, rnalandrin ist nach der Akademie so viel wie ,maligno, perverso,

bellaco', in 7nolondro , Müfsiggänger ' scheint die Trübung der Vokale fremden

Ursprung zu verraten.

8 Die Trübung von an zu on (vgl. ondain = andain) findet sich auch in

friaul. slondrone f. ,landra, baldracca', slondron ,lordato, imbrallato'.

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