Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

LAT. AMBITUS IM ROMANISCHEN. 533

Galerie, Geländergang um ein Gebäude herum; kleiner Gang; Weg

für Fufsgänger auf einer Brücke; ein schmaler, freigelassener Rand,

Saum'; portg. andUo ,Raum, den man offen läfst, um im Kreise

um etwas, z. B. den Tron, herumzugehen'. Der eigenartige

Wortsinn pafst recht weder zu aditus noch zu andare. Der Begriff

, Umgang' läfst sich nur aus ambitus befriedigend gewinnen,

auf welches das portug. Wort zwingend hinweist: dies stimmt beinahe

buchstäblich zu dem bereits erwähnten ambitus , locus circa

sepulcrum relictus circumeundi causa'. Andiio kann daher sehr

wohl das Produkt einer Kreuzung von ambitus und aditus sein,

die längere Zeit neben einander bestanden hätten; dies würde er-

klären, warum es sp. ptg. nicht zu einem *a7ido kam, eine Schwierig-

keit, mit der sich übrigens auch die andern Deutungsversuche abfinden

müssen. Kommt man aber schon bei andüo nicht ohne

Annahme einer Einwirkung von ambitus aus, so gilt das in weit

gröfserem Mafse von prov. aiide. Ein von andare abgeleitetes anditus

wird den Bedeutungen ,espace libre, place, marge, aise,

e!an', die ande besitzt, nicht gerecht; auch aditus genügt nicht,

selbst wenn es, wie Du C. angibt, = platea war: der Begriff" des

Umkreisenden, Umfassenden fehlt noch immer: auch die übertragenen

Bedeutungen elan, essor lassen sich besser aus ambitus

gewinnen. Anderseits ist ande nahe verwandt mit savoy. dnda

,elan' und den w^eiter unten besprochenen ital. arido, atida, die

gleichen Sinn haben wie ande und doch unmöglich anditus sein

können, vielmehr auch ihrerseits ambitus fordern. Endlich sei

noch betont, dafs ande, -i auch nicht Postverbal zu andar sein kann

(es müfste and oder ando lauten), mag es auch da oder dort

einmal als solches empfunden worden sein. Das i von andi erklärt

sich m. E. aus einer Beeirjflufsung von a7ide (= ambitus), durch

anditus' oder durch ^^ambi'i/), dessen Existenz nunmehr wahr-

scheinlich gemacht werden soll.

Im Vocabulaire der Chanson de la Croisade Contre les Al-

bigeois belegt P. Meyer wiederholt altprovenz. amhaji ,galerie qui

regne autour d'un rempart'.^ Meyer bringt es mit anar in Verbindung,

während es nach Chabaneau RdLgues Rom. IX, 207 ,le

substantif verbal d'un verbe amhajiar'- wäre ,qui serait ä ambire

comme ayiar a ire': aber wie soll anibanar gebildet sein?

Du C. gibt aufser dem Verb, ambanare , ambire, cingere, claudere'

und ambannus3 noch ambarium, -arrium, -arrum, ambarratium

, ambitus seu septum ad munimentum oppidi vel castri

1 Ambitus, aditus stehen formelhaft neben einander in Inschriften,

s. Thesaurus Ling. Lat. v. ambitus, Sp. 1858^^- ^'''.

2 Chabaneau meint dazu RdLRom. IX, 207 ,ce qui est peut-etre trop

precis'; ich halte indessen die Meyer'sche Ansicht für richtig, weil dazu die

Bedeutung des m. E. verwandten sp. andatnio, bearn. andatni stimmt (s. unten).

ä Du Cange's Definition von ambannus ,repaguliim, transversarium

lignum inter duo alia arrectaria et exstantia positum' pafst gut für das oben

besprochene lande (s. S. 525).

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