Zeitschrift für romanische Philologie

scans.library.utoronto.ca

Zeitschrift für romanische Philologie

546

A. HORNING,

3. Bovet meint S. 20: ,non si vede la ragione per la quäle

si sarebbe ricorso a qualche altro verbo come addere, amdare'

(nämlich neben ambulare). Dieses Argument scheint mir keine

Beweiskraft zu besitzen: ebenso berechtigt wäre die Frage, warum

ambulare allein die Fähigkeit besessen haben solle, die durch

die fehlenden Formen von vadere und die aussterbenden von

ire entstandene Lücke auszufüllen. Wäre ambulare nachweislich

bereits im Vulgärlatein an die Stelle von vadere und ire getreten,

so könnte man die Berechtigung jenes Einwandes zugeben;

aber neuerdings scheint man zur Erkenntnis zu kommen, dafs das

Gebiet von aller \ a7idare sich ursprünglich nicht über die ganze

Romania erstreckte. In Spanien und im Rätischen behauptete sich

ire neben andare-aller. Schuchardt hält es Ztschr. XXIII, 328 für

wahrscheinlich, dafs andare ursprünglich Oberitalien angehörte, von

wo es sich nach i\Iittelitalien vorschob, doch ire nicht ganz zurückzudrängen

vermochte. In Perugia sei gire so gebräuchlich ,che

molti muoiono senza aver mai pronunziato alcuna voce di andart'A

Auch bei Dante kommen gire, giva eben so oft vor wie ajidare,

andava. Andare gehört vielleicht einer ganz andern begrifflichen

und gesellschaftlichen Sphäre an als ambulare = ö//^;-. Hat Baist

recht mit der Vermutung, dafs amlate (aus ambulate) militärisches

Kommando war und aller sich daraus gebildet habe, so ist nicht

abzusehen, warum ein technischer Ausdruck des Militärwesens sich

in der Weise verallgemeinert haben müsse, dafs ein der Bauernsprache

angehörendes Wort , Schritt', , Schrittweite' sich daneben

nicht hätte Geltung verschaffen können.

4. Es sei auffällig, dafs gegenüber ambulare, für welches

zahllose Belege in spätlateinischen und mittelalterlichen Texten vorhanden

seien, nicht einmal ambitare, addare, andare vorkomme;

wenn diese Substrata romanischen Wörtern zu Grunde lägen, so

müfsten sie doch einmal von den mittelalterlichen Klerikern gebraucht

worden sein. Es soll zugegeben werden, dafs das häufige

Vorkommen von ambulare zu Gunsten der Gleichung ambulare

( aller stark ins Gewicht fällt; allein man schiefst über das Ziel

hinaus, wenn man daraus für ambulare das Vorrecht ableitet,

das einzige Substrat für die romanischen Verba des Gehens zu

sein. Vor der Überschätzung seiner häufigen Verwendung hat

schon Diez gewarnt: oft habe man ein bekanntes lateinisches Wort

einem ähnlich lautenden romanischen untergeschoben (curia für

co2ir)\ ambulare kam zu statten, dafs es ein altüberliefertes, in

der Schriftsprache eingebürgertes, auch in später Zeit übliches, den

Klerikern wohl bekanntes Wort war. Ambitus, ambitare ge-

^ Bestäügt wird diese Auffassung durch die Arbeit von Neumann-Spallart

über die Sprache der Marche, Ztschr. XXVIII, 428 , wonach zwar in Ancona

(durch den Einflufs der Schriftsprache?) andd üblich ist (doch sprechen auch

dort die contadini gimu, gite), dagegen Macerala, Fermo, Groltammare mit

Ausnahme des Gerund, ananno nur Formen von ire kennen.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine