Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

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H. SCHÜCHARDT,

Bodenbeschaffenheit wird naturgemäfs in der Bedeutung des Wortes

sich wiederspiegeln; wer Gegensätze sieht, dem werden auch die

vielen Abstufungen nicht entgehen die sie verbinden. Vor allem

handelt es sich um Gröfsenunterschiede, und da erinnere man sich

daran was alles im Flachland „Berg" und „Tal" heifst. Wenn

die Vertiefungen am Meeresstrand welche bei der Ebbe mit Wasser

gefüllt zurückbleiben oder die in Wasserrinnen verwandelten Furchen

zwischen den Äckern noues heifsen, so sind das ja im Grunde

kleine navas. Übrigens finde ich beim franz. noue u. s. w. den Begriff

der „Einsenkung" oft mehr oder weniger hervorgehoben. Das

native der Charente-Inferieure bestimmt der „Nouveau Larousse"

als „vallon marecageux et insalubre", das vendom. noe Martelliere

als „terrain humide, thalweg entre deux pentes ordinairement en

prairie", das niedermain. no Dottin auch als „vallee" schlechtweg

(vgl. nu), das norm, noue, 7ioe Du Bois u. Travers als „rigole, vallon

etroit" {noe „rigole, petit canal d'irrigation" belegt Moisy in seinem

norm. Wtb. aus einem älteren Schriftwerk) und das blais. noue

Thibault als „petit cours d'eau". Und daher nimmt Robin in

dem Wtb. des Norm, vom Dep, de l'Eure für noe, mlat. noa die

beiden zeitlich aufeinander folgenden Bedeutungen an: „rigole,

vallon, depression de terrain par laquelle les eaux s'ecoulent ou

peuvent s'ecouler; pre situe dans une depression semblable et

consequemment plus ou moins humide." Es scheint demnach dafs

die begriffliche Abweichung des bret. naoz „canal, lit de rivi^re"

vom franz. noue welche I\leyer-Lübke voraussetzt und zugunsten

des gallischen Ursprungs von jenem verwenden will, keine durchgängige

ist. Ich fasse meine vorläufige Ansicht über noue u, s. w.

zusammen. Nave, nava als Bezeichnung für eine gewisse Gestaltung

des Bodens kommt vereinzelt auch diesseits der Pyrenäen vor (zu

den früher gegebeneu Belegen füge noch hinzu Navetie, N. eines

Sturzbaches in den Alpen des Dauphine), hat aber hier im allgemeinen

einem seiner Herkunft und seinem eigentlichen Sinne

nach für uns noch gänzlich dunkeln nauda o. ä. den Platz über-

lassen, nicht ohne es in seiner Bedeutung zu beeinflussen.

Ich lasse nun einige kürzere Glossen zu Baists Glossen folgen.

Zu span. artiga von *exsartare sagt er: „Eine gewisse

Schwierigkeit liegt in der Notwendigkeit Bildung und Präfixverkennung

dem Lateinischen zuweisen zu müssen, der Beschränkung

auf die Nachbarschaft der Pyrenäen und dem Gegensatz zu en-

jartar." Statt „Präfixverkennung" soll es wohl heifsen „Präfixabtrennung";

denn in *ex(s)-artare für *ex-sarlare ist nicht das

Präfix, sondern der Stamm verkannt. Was enjartar ist, weifs ich

nicht, errate auch nicht was es sein soll.

Bei span. corzo von *curtius findet Baist es „nicht unbedenklich

dafs auch die Verwandten [des Rehs] ziemlich kurzschwänzig sind."

Das eigentlich Auffällige sei das Hervortreten des weifsen Hinter-

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