Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

6l2 CAROLINA MICHAELIS DE VASCONCELLOS,

gegebenen Varianten etwa auch onzon, port. oti{äo nachweislich oder

vorauszusetzen ist? Im Portug. benennt nämlich ougäo dieselben

oder ähnliche mikroskopisch kleine Tierchen und Dinge wie im

Gallizischen ajtzofi , besonders den acarus siro — die Käsemilbe —

u?n dos

farinha

mais pequenos acaros que se enconlra iios queijos, na cera, na

etc.; *ant. lendeas (Caldas Aulete; C. de Figueiredo) —

hichinho miiiio pequeno de feiiio de lendea (Moraes). Aber auch die

Sonnenstäubchen,

Am bekanntesten

wie aus einer meiner Belegstellen hervorgeht.

ist das Wort durch die Metapher fazer de um

ougäo um cavaleiro^ Doch ist mir nicht erfindlich, welcher Kon-

tamination — oder Volksetymologie — tnzon anzon, bezw. portug.

i7i(äo, an(äo seine Umgestaltung zu oucäo, ofäo^ verdanken könnte.-*

Noch auch weifs ich, ob neben dem erwiesenen Sinne, der ur-

^ Sie stammen aus dem Canc. de Resende, den Prosaschi iften des Gil

Vicente , und den Autos des Antonio Prestes. Im Cancionetro (I 243) behauptet

ein Gegner des Montoro in einem frommen Spottliede:

Quanto menOs hum oufam

he de deos, em grao perfundo,

tanto menos todo o mundo

he em sa compara^am.

In seinem gesinnungstüchtigen Briefe über das Erdbeben vom Jahre 1531 behauptet

Gil Vicente {III 388), weder die Weisen Griechenlands, noch Johannes

Rcgiomontanus, noch Moses habe von den Ursachen der Erderschüttcrung so

viel gewufst wie eine Milbe wiegt: nem os da Grecia, 7iem Moyses, neyn

Joannes de Monteregio alcangdräo da verdadeira judicatura peso de um

oufäo. — Prestes aber sagt von einem sich mafslos brüstenden Junker:

Menezes

a par d'elle ficam oii goes. (S. 152)

Ein ander Mal beschwört ein Ehemann, es sei ihm nicht im Traume eingefallen

der Frau als Spieler auch nur das kleinste Unrecht anzutun:

tdgora estive jogando

sem me vir ao coragäo

tamanho coino um ougäo

cousa d'estd'-la agravando. (S. 336)

Dann wieder ist es ein Eifersüchtiger, der selbst vor den Sonnenstäubchen

Furcht hat.

Poique aquelles fiosinhos

dos raios que entram — uns ousSes, (sie)

chamam-lhe velhos „diabinhos",

que entram em casa, e d'estes inhos

se armam sempre uns diabSes. (S. 243)

2 Die gleichbedeutende Formel fazer de um argueiro um cavaleiro gibt

mir den Gedanken ein in arg^ acarus zu suchen.

* Ou statt kommt im gali. des öfteren vor; z.B. in ourar ouraciö,

adourar, ouceano; von ouci(d)ente oujeto ouservar outido nicht zu reden, in

denen Konsonanten vokaUsiert worden sind.

* Auch das von Littr6 erwähnte ongier für engier (aus dem Chev. au

Lyon V. 2500) vermag ich nicht zu deuten.

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