Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

BESPRECHUNGEN.

Trenel, J., Docteur es-lettres, professeur agrege au lycee Hoche, L'ancien

testament et la langue fran9aise du moyen-äge (Vllle—XVe siecle).

Etüde sur le röle de relement biblique dans l'histoire de la langue des

origines ä la fin du XV^ siede. Paris, L. Cerf, 1904. VII + 671 S. gr. 8.

10 Fr.

In welchem Mafse hat das alte Testament (also ursprünglich hebräisches

Material) im Mittelalter, d. h. vom karolingischen Kulturaufschwung bis zum

Vorabend der Reformation, zur Bereicherung des französischen Wort- und

Ausdruckschatzes beigetragen? Das ist die Frage, die sich der Verf. mit

einer durch den Umfang gebotenen und in sich zweifellos berechtigten stoff-

lichen und zeitlichen Beschränkung des Themas gestellt und mit mustergiltiger

Ausdauer erledigt hat. Direkt ist dies künstlich zugeführte Sprachgut durch

die Bibelübersetzungen (und diese bilden die erste Basis für die hier vor-

liegende Sammelarbeit), indirekt durch biblisch inspirierte Stellen bei anderen

Schriftstellern in die Sprache übergegangen. Dabei handelt es sich i. um

einzelne Wörter, hebräische, griechische, lateinische und auch französische

mit veränderter Bedeutung; 2. um Ausdrücke und Wendungen, die religiösen,

politischen und sonstigen Auffassungen und Lebensgewohnheiten der Israeliten

oder poetischen , proverbialen , metaphorischen Eigenheiten ihrer Sprache ent-

sprechen ; 3. um grammatische Sonderheiten, d. h. Hebraismen der Wort- und

Satzfügung. — Über eine andere Seite der stofflichen Umschreibung seines

Themas läfst sich der Verf. nicht vernehmen, und doch scheint es mir, daHs

es diese ist, um derentwillen man am ehesten mit ihm rechten wird; denn

Fleifs, Sorgfalt, verständnisvolle Aufteilung und übersichtliche Darlegung des

Materials sind über alle Einwendung erhaben. Allein , da begreiflicherweise

nicht das ganze Sprachmaterial der alten Bibelübersetzungen herangezogen

und verhandelt wird, so mufs man fragen: nach welchem Grundsatz hat denn

.'' der Verf. seine beschränkte Auswahl getroffen Offenbar

ist er von der Auf-

fassung ausgegangen, dafs gewisse Worte und Wendungen in die französische

Gemeinsprache übergegangen sind, und diesen ausschliefslich hat er nachgehen

wollen. Zur Bestimmung dieser Worte scheint er sich nun im wesentlichen

an die autoritativen Wörterverzeichnisse der französischen Sprache, d. h. an die

grofsen alt- und neufranz. Wörterbücher gehalten zu haben (natürlich ergänzt

und kontrolliert durch die eigene Kenntnis der modernen Sprache und durch

altfranz. Lesefrüchte). Liegt hier nicht der Arbeit ein ungenügendes Kriterium

zugrunde? Denn unsere Wörterbücher sind ja alle durch ziemlich arbiträre

Zeitschr. f. rom. Phil. XXIX. ^q

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