Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

SCHRIFTEN ZUR GESCHICHTE DES SPANISCHEN DRAMAS. 627

„carelessness", welche Fitzmaurice -Kelly in Lopes Stücken rügt, ist wohl

meist auf Rechnung der Raubdrucker zu setzen, wie man die spanischen

Dramatiker überhaupt nicht für alles, was wir in den Komödienbänden lesen,

verantwortlich machen soll. Die ersten acht Bände von Lopes Komödien

erschienen ohne seine Zustimmung (Bamba steht im ersten Band), und auch

in den späteren Bänden klagt er oft darüber, dafs die Drucker seine Werke

verunstalten. Gerne hätten wir auch in diesem Vortrage an Stelle mancher

anderen Bemerkung einen Überblick über die von Lope behandelten Stoff-

kreise gefunden. Der Leser oder Zuhörer liest, resp. hört hier 63 Seiten lang

über Lope, weifs aber, von den wenigen namentlich angeführten Beispielen

abgesehen — doch nicht, welche ungeheuere Stoffmasse dieses „monstruo de

naturaleza" in seinem Leben dramatisiert hat. In seinen Komödien ist fast

das ganze historische und literarische Wissen eines Spaniers jener Zeit ver-

wertet. Diese wenigen Bemerkungen sollen jedoch unser Urteil über den

interessanten Vortrag nicht schmälern.

Lopes Schüler, Nachahmer, Freund und Biograph Dr. Juan Perez de

Montalvan, findet in G. W. Bacons Schriftchen eine warme Würdigung.

Auf die kurze Darstellung seines Lebens, das Montalvan, wie ihm sein hart-

näckiger Gegner Quevedo prophezeit hatte, 1638 im Irrenhause beschlofs, folgt

eine Beurteilung seines Stiles und seiner schriftstellerischen Eigenart. Nicht

mit Unrecht wirft ihm der Verfasser eine gewisse Eintönigkeit in den Motiven

und Handlungen seiner Komödien vor. Er weist nach , dafs dieselben Verwicklungen

und Kombinationen in vielen seiner Stücke wiederkehren. Aber

bildet er darin eine Ausnahme unter seinen Zeitgenossen, unter den spanischen

Bühnendichtern überhaupt? Wie viele analoge Handlungen, Szenen, ja selbst

Verse, finden sich in den Dramen Lopes und Calderons! Und nicht blofs

die spanische Komödie weist diese Fehler auf. Sind Plautus und Terenz, die

Italiener bis auf Goldoni reicher an Variationen in den Handlungen und

Personen ihrer Stücke.'' — Er zeigt sodann, dafs sich in die Komödien Mon-

talvans verschiedene Gedanken und Sentenzen klassischer Dichter, speziell

Ovids und Juvenals eingeschlichen haben, denen sich gewifs noch andere

Beispiele anreihen lieCsen , und gibt im folgenden ausführliche Analysen von

sechs Komödien des Dichters. Es sind solche ausgewählt, welche in den

Werken von Schack, Schaeffer und Ticknor keine, oder nur ungenügende

Besprechungen erfahren haben. Immerhin hätte sich noch eine bessere Wahl

treffen lassen. „El reynar para morir" rechtfertigt seine Anwesenheit durch

seine Seltenheit. Bei ,,E1 segundo Seneca de Espana" (behandelt Philipp II.

nach Luis de Cabreras „Felipe Segundo rey de Espana" 1619) vermissen wir

die Besprechung des 2. Teils, welcher im 2. Bande von Montalvans Komödien

abgedruckt ist. Auch wäre es interessant gewesen zu untersuchen , inwieweit

Montalvan darin von Encisos ,,E1 principe Don Carlos" abhängig ist. Daran

reihen sich zwei Intriguenstücke (,,Como amante y como honrada" und „De

un castigo dos venganzas") und eine Heiligenkomödie „Santo Domingo en

Soriano", bei welcher es der Verf. tadelt, dafs sie mit einem Morde im

Zweikampf beginnt; doch ist dieser Anfang in spanischen Komödien nicht

selten. Den Schlufs bildet die „Comedia devota": ,,Escanderbech", welche

die Bekehrung Georg Castriotas zum Gegenstande hat. Auf das inhaltsgleiche

Stück, welches dem Belmonte und Velez de Guevara zugeschrieben wird, gebt

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