Zeitschrift für romanische Philologie

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Zeitschrift für romanische Philologie

628 BESPRECHUNGEN. WOFG. V. WURZBACH.

der Verf. nicht näher ein. Mehr literarisches Interesse als manches der hier

behandelten, würden einige andere Stücke Montalvans bieten, z. B. „Los

Templarios" (der Untergang des Templerordens), „El mariscal de Biron"

(seine Verschwörung), „Amor, privanza y fortunas de Seyano" (behandelt

Sejanus nach der Cronica general), „Jeägenes y Cariclea" (nach Heliodor,

interessant durch den Vergleich mit Calderons gleichnamiger Komödie und

mit Cervantes' ,,Persiles y Sigismunda"), ,,Palmerin de Oliva" und ,,Florisel

de Niquea" (nach den betreffenden Ritterromanen), „Olimpa y Vireno" (nach

Orlando furioso , 9.— li. Gesang), und schliefslich ,,Los amantes de Teruel",

an welchem Stoffe sich fünf spanische Dramatiker (aufser Montalvan noch

Artieda, der Anonymus im 2. Bande von Tirsos Komödien, Vic. Suarez und

Hartzenbusch) versucht haben. Die vorliegende Arbeit Bacons ist indes nur

eine Probe aus einem umfangreicheren Werke über Montalvan, in welchem

40 seiner Komödien besprochen werden sollen.

Wie Montalvan zu Lope so verhält sich Solls, der Geschichtsschreiber

Jtexicos zu Calderon, wenn er die Feder des Histoiikers mit der des Drama-

tikers vertauscht. Auch Mar teils Schrift gleicht in Stil und Anlage jener

Bacons wie ein Ei dem andern. Wie dort , so sind auch hier die Analysen

unbegreiflicherweise von der Beurteilung der betreffenden Komödien gelrennt,

so dafs der Leser, wenn er einmal bis zu den Analysen vorgedrungen ist,

immer wieder zurückblättern mufs, um zu wissen, wovon die Rede ist. Wie

Bacon dem Montalvan, so macht Martell dem Solls zun Vorwurfe, dafs er

sich in seinen Stücken allzu oft wiederhole. Er tadelt die zahlreichen Eiter-

suchtsszenen, das häufige Vorkommen verschleierter Frauen, ja sogar, dafs der

Dichter seine Personen bisweilen aparte sprechen läfst — Dinge, ohne welche

doch eine spanische Comedia überhaupt nicht denkbar ist. Martell gibt Ana-

lysen von den neun Komödien, welche Solls mit Sicherheit zugeschrieben

werden. In der Bezeichnung einzelner als „gran comedia" oder „comedia

famosa" (p. 39) ist weiter nichts zu sehen als Verleger -Reklame. Unter den

Stücken verweilt der Verfasser mit Recht am längsten bei der „Gitanilla de

Madrid", einer der zahlreichen Dramatisierungen der berühmten Preziosa-

Novelle des Cervantes. Über die Art der Behandlung der Vorlage durch

Solis, die ältere Bearbeitung von Montalvan (von welcher Martell nicht spricht),

sowie über die späteren Dramatisierungen hätte sich der Verf. in des Referenten

ausführlicher Abhandlung in Kochs Studien zur vergleichenden Literatur-

geschichte, I. Bd., 4. Heft, p. 397 ff.) unterrichten können. Das Stück von

P. A. Wolff und Webers Oper, welche der Verf. getrennt anführt, sind

identisch. Nicht erwähnt sind bei Martell die Dramatisierungen von Hardy

(1615), Sallebray (1642), John Tobin (ca. 1800) und H.J.Möller (1777), von

neueren und nicht dramatischen Bearbeitungen ganz zu schweigen. Solis'

Gitanilla wurde 1659 von Carlo Celano (Ettore Calcolonna) ins Italienische

übersetzt und war eine Glanzrolle mehrerer berühmter Schauspielerinnen, wie

der Pepita Huerla und der Carreras. Den Schlufs von Martells Schrift l)ilden

einige Stilproben aus Solis.

^^^^^_ ^_ Wurzbach.

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